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	<title>Johann Heinrich Wilhelm Tischbein - Personen von Goethes Grand Tour - Unreal Goethe</title>
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	<description>Italienische Reise 4.0</description>
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	<title>Johann Heinrich Wilhelm Tischbein - Personen von Goethes Grand Tour - Unreal Goethe</title>
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		<title>Knieps Dachterrasse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[spun]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:41:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Tischbein schlägt den jungen Landschafter Kniep als ständigen Gesellschafter vor.</p>
<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-lastrico-di-kniep/">Knieps Dachterrasse</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Tischbein schlägt den jungen Landschafter Kniep als ständigen Gesellschafter vor. Am Tag Mariä Verkündigung führt Kniep Goethe auf ein flaches Dach mit einer der schönsten Aussichten Neapels: Aus der Falltür steigt der Kopf seines Liebchens, wie der Engel, den ältere Künstler die Leiter heraufkommen lassen. Dann, am Meer, eine Erleuchtung über die Urpflanze.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 19. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-19-neapel-0143" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Tagen hat sich ein neues Verhältnis näher angeknüpft. Nachdem in diesen vier Wochen Tischbein mir sein treues Geleit durch Natur- und Kunstgegenstände förderlich geleistet und wir gestern noch zusammen in Portici gewesen, ergab sich aus wechselseitiger Betrachtung, daß seine Kunstzwecke sowohl als diejenigen Geschäfte, die er, eine künftige Anstellung in Neapel hoffend, in der Stadt und bei Hofe zu betreiben pflichtig ist, mit meinen Absichten, Wünschen und Liebhabereien nicht zu verbinden seien. Er schlug mir daher, immer für mich besorgt, einen jungen Mann vor als beständigen Gesellschafter, den ich seit den ersten Tagen öfter sah, nicht ohne Teilnahme und Neigung. Es ist Kniep, der sich eine Zeitlang in Rom aufgehalten, sodann sich aber nach Neapel, in das eigentlichste Element des Landschafters, begeben hatte. Schon in Rom hörte ich ihn als einen geschickten Zeichner preisen, nur seiner Tätigkeit wollte man nicht gleiches Lob erteilen. Ich habe ihn schon ziemlich kennen gelernt und möchte diesen gerügten Mangel eher Unentschlossenheit nennen, die gewiß zu überwinden ist, wenn wir eine Zeitlang beisammen sind. Ein glücklicher Anfang bestätigt mir diese Hoffnung, und wenn es mir nach geht, sollen wir auf geraume Zeit gute Gesellen bleiben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 25. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-25-neapel-0147" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Ob ich gleich empfand, daß Kniep sehr gern mit mir nach Sizilien gehe, so konnte ich doch bemerken, daß er ungern etwas zurückließ. Bei seiner Aufrichtigkeit blieb mir nicht lange verborgen, daß ihm ein Liebchen eng und treu verbunden sei. Wie sie zusammen bekannt geworden, war artig genug zu hören; wie sich das Mädchen bisher betragen, konnte für sie einnehmen; nun sollte ich sie aber auch sehen, wie hübsch sie sei. Hiezu war Anstalt getroffen, und zwar so, daß ich zugleich eine der schönsten Aussichten über Neapel genießen könnte. Er führte mich auf das flache Dach eines Hauses, von wo man besonders den untern Teil der Stadt nach dem Molo zu, den Golf, die Küste von Sorrent vollkommen übersehen konnte; alles weiter rechts Liegende verschob sich auf die sonderbarste Weise, wie man es, ohne auf diesem Punkte zu stehen, nicht leicht sehen wird. Neapel ist überall schön und herrlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir nun die Gegend bewunderten, stieg, obgleich erwartet, doch unversehens ein gar artiges Köpfchen aus dem Boden hervor. Denn zu einem solchen Söller macht nur eine länglich viereckige Öffnung im Estrich, welche mit einer Falltüre zugedeckt werden kann, den Eingang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da nun das Engelchen völlig hervortrat, fiel mir ein, daß ältere Künstler die Verkündigung Mariä also vorstellen, daß der Engel eine Treppe heraufkömmt. Dieser Engel aber war nun wirklich von gar schöner Gestalt, hübschem Gesichtchen und einem guten, natürlichen Betragen. Es freute mich, unter dem herrlichen Himmel und im Angesicht der schönsten Gegend von der Welt meinen neuen Freund so glücklich zu sehen. Er gestand mir, als sie sich wieder entfernt hatte, daß er eben deshalb eine freiwillige Armut bisher getragen, weil er dabei sich zugleich ihrer Liebe erfreut und ihre Genügsamkeit schätzen lernen, nun sollten ihm auch seine bessern Aussichten und ein reichlicher Zustand vorzüglich deshalb wünschenswert sein, damit er auch ihr bessere Tage bereiten könne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neapel, zum 25. März.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach diesem angenehmen Abenteuer spazierte ich am Meere hin und war still und vergnüglich. Da kam mir eine gute Erleuchtung über botanische Gegenstände. Herdern bitte ich zu sagen, daß ich mit der Urpflanze bald zustande bin, nur fürchte ich, daß niemand die übrige Pflanzenwelt darin wird erkennen wollen. Meine famose Lehre von den Kotyledonen ist so sublimiert, daß man schwerlich wird weiter gehen können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heute</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="2400" height="1800" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm2.jpg" alt="Der Hafen von Neapel und der Vesuv vom Castel Nuovo aus, heute. Foto Adam91, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0." class="wp-image-9114" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm2.jpg 2400w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm2-300x225.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm2-1024x768.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm2-768x576.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm2-1536x1152.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm2-2048x1536.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm2-640x480.jpg 640w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm2-415x311.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm2-650x488.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm2-250x188.jpg 250w" sizes="(max-width: 2400px) 100vw, 2400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Hafen von Neapel und der Vesuv vom Castel Nuovo aus, heute. Foto Adam91, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das flache Dach mit Blick auf den Molo, den Golf und die Küste von Sorrent ist nicht bestimmbar (Vermutung: zwischen Pizzofalcone und dem Hafen).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ort: Napoli</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werke und Dokumente</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1000" height="650" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm0.jpg" alt="Christoph Heinrich Kniep, der Golf von Neapel mit dem Vesuv, von Posillipo aus, 1787, Aquarell über Federzeichnung. Gemeinfrei, Wikimedia Commons." class="wp-image-9112" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm0.jpg 1000w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm0-300x195.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm0-768x499.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm0-415x270.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm0-650x423.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm0-250x163.jpg 250w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">Christoph Heinrich Kniep, der Golf von Neapel mit dem Vesuv, von Posillipo aus, 1787, Aquarell über Federzeichnung. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="2400" height="968" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm1.jpg" alt="Thomas Jones, Dächer und Terrassen von Neapel von seiner Unterkunft aus, 1782: die Flachdächer, auf die Kniep Goethe führte. Gemeinfrei, Wikimedia Commons." class="wp-image-9113" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm1.jpg 2400w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm1-300x121.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm1-1024x413.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm1-768x310.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm1-1536x620.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm1-2048x826.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm1-415x167.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm1-650x262.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-wm1-250x101.jpg 250w" sizes="(max-width: 2400px) 100vw, 2400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Thomas Jones, Dächer und Terrassen von Neapel von seiner Unterkunft aus, 1782: die Flachdächer, auf die Kniep Goethe führte. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">KI-Rekonstruktion</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1344" height="752" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-1787-ricostruzione-ai.jpg" alt="Das flache Dach am Tag der Verkündigung 1787: aus der Falltür taucht Knieps Mädchen auf, wie der Engel, der in alten Verkündigungen eine Leiter heraufsteigt. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026)." class="wp-image-9086" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-1787-ricostruzione-ai.jpg 1344w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-1787-ricostruzione-ai-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-1787-ricostruzione-ai-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-1787-ricostruzione-ai-768x430.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-1787-ricostruzione-ai-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-1787-ricostruzione-ai-650x364.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-lastrico-di-kniep-1787-ricostruzione-ai-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 1344px) 100vw, 1344px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das flache Dach am Tag der Verkündigung 1787: aus der Falltür taucht Knieps Mädchen auf, wie der Engel, der in alten Verkündigungen eine Leiter heraufsteigt. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Weiterlesen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://goethe.reise/?p=8545">Geste und Zeit: Goethe, Kniep und das Gedächtnis der Landschaft</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.</p>


<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-lastrico-di-kniep/">Knieps Dachterrasse</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Schloss von Caserta, Hackert und Emma</title>
		<link>https://goethe.reise/de/grandtour/caserta-reggia-hackert/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=caserta-reggia-hackert</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[spun]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:40:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zu Gast bei Hackert im alten Schloss neben dem »escurialartigen« neuen Palast.</p>
<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/caserta-reggia-hackert/">Das Schloss von Caserta, Hackert und Emma</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Zu Gast bei Hackert im alten Schloss neben dem »escurialartigen« neuen Palast. Hackert macht jeden zu seinem Schüler und sagt zu Goethe: »Sie haben Anlage, aber Sie können nichts machen.« »Neapel ist ein Paradies«; und abends Hamilton und die junge Emma, die mit einem Schal und gelöstem Haar von einer antiken Stellung in die andere übergeht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Caserta, 14. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-14-caserta-0138" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Hackert in seiner höchst behaglichen Wohnung, die ihm in dem alten Schlosse gegönnt ist. Das neue, freilich ein ungeheurer Palast, escurialartig, ins Viereck gebaut, mit mehrern Höfen; königlich genug. Die Lage außerordentlich schön auf der fruchtbarsten Ebene von der Welt, und doch erstrecken sich die Gartenanlagen bis ans Gebirge. Da führt nun ein Aquädukt einen ganzen Strom heran, um Schloß und Gegend zu tränken, und die ganze Wassermasse kann, auf künstlich angelegte Felsen geworfen, zur herrlichsten Kaskade gebildet werden. Die Gartenanlagen sind schön und gehören recht in eine Gegend, welche ganz Garten ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Schloß, wahrhaft königlich, schien mir nicht genug belebt, und unsereinem können die ungeheuern leeren Räume nicht behaglich vorkommen. Der König mag ein ähnliches Gefühl haben, denn es ist im Gebirge für eine Anlage gesorgt, die, enger an den Menschen sich anschließend, zur Jagd- und Lebenslust geeignet ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Caserta, 15. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-15-caserta-0139" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Hackert wohnt im alten Schlosse gar behaglich, es ist räumlich genug für ihn und Gäste. Immerfort beschäftigt mit Zeichnen oder Malen, bleibt er doch gesellig und weiß die Menschen an sich zu ziehen, indem er einen jeden zu seinem Schüler macht. Auch mich hat er ganz gewonnen, indem er mit meiner Schwäche Geduld hat, vor allen Dingen auf Bestimmtheit der Zeichnung, sodann auf Sicherheit und Klarheit der Haltung dringt. Drei Tinten stehen, wenn er tuscht, immer bereit, und indem er von hinten hervorarbeitet und eine nach der andern braucht, so entsteht ein Bild, man weiß nicht, woher es kommt. Wenn es nur so leicht auszuführen wäre, als es aussieht. Er sagte zu mir mit seiner gewöhnlichen bestimmten Aufrichtigkeit: &#8222;Sie haben Anlage, aber Sie können nichts machen. Bleiben Sie achtzehn Monat bei mir, so sollen Sie etwas hervorbringen, was Ihnen und andern Freude macht.&#8220; – Ist das nicht ein Text, über den man allen Dilettanten eine ewige Predigt halten sollte? Was sie mir fruchtet, wollen wir erleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von dem besondern Vertrauen, womit ihn die Königin beehrt, zeugt nicht allein, daß er den Prinzessinnen praktischen Unterricht gibt, sondern vorzüglich, daß er über Kunst und was daran grenzt abends öfters zu belehrender Unterhaltung gerufen wird. Er legt dabei Sulzers Wörterbuch zum Grunde, woraus er nach Belieben und Überzeugung einen oder den andern Artikel wählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich mußte das billigen und dabei über mich selbst lächeln. Welch ein Unterschied ist nicht zwischen einem Menschen, der sich von innen aus auferbauen, und einem, der auf die Welt wirken und sie zum Hausgebrauch belehren will! Sulzers Theorie war mir wegen ihrer falschen Grundmaxime immer verhaßt, und nun sah ich, daß dieses Werk noch viel mehr enthielt, als die Leute brauchen. Die vielen Kenntnisse, die hier mitgeteilt werden, die Denkart, in welcher ein so wackrer Mann als Sulzer sich beruhigte, sollten die nicht für Weltleute hinreichend sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere vergnügte und bedeutende Stunden brachten wir bei dem Restaurator Andres zu, welcher, von Rom berufen, auch hier in dem alten Schlosse wohnt und seine Arbeiten, für die sich der König interessiert, emsig fortsetzt. Von seiner Gewandtheit, alte Bilder wiederherzustellen, darf ich zu erzählen nicht anfangen, weil man zugleich die schwere Aufgabe und die glückliche Lösung, womit sich diese eigene Handwerkskunst beschäftigt, entwickeln müßte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Caserta, 16. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-16-caserta-0140" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die lieben Briefe vom 19. Februar kommen heute mir zur Hand, und gleich soll ein Wort dagegen abgehen. Wie gerne mag ich, an die Freunde denkend, zur Besinnung kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neapel ist ein Paradies, jedermann lebt in einer Art von trunkner Selbstvergessenheit. Mir geht es ebenso, ich erkenne mich kaum, ich scheine mir ein ganz anderer Mensch. Gestern dacht&#8216; ich: &#8222;Entweder du warst sonst toll, oder du bist es jetzt.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In vierzehn Tagen muß sich&#8217;s entscheiden, ob ich nach Sizilien gehe. Noch nie bin ich so sonderbar in einem Entschluß hin und her gebogen worden. Heute kommt etwas, das mir die Reise anrät, morgen ein Umstand, der sie abrät. Es streiten sich zwei Geister um mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Vertrauen zu den Freundinnen allein, nicht daß es die Freunde vernehmen! Ich merke wohl, daß es meiner &#8222;Iphigenie&#8220; wunderlich gegangen ist, man war die erste Form so gewohnt, man kannte die Ausdrücke, die man sich bei öfterm Hören und Lesen zugeeignet hatte; nun klingt das alles anders, und ich sehe wohl, daß im Grunde mir niemand für die unendlichen Bemühungen dankt. So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig, man muß sie für fertig erklären, wenn man nach Zeit und Umständen das möglichste getan hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das soll mich nicht abschrecken, mit &#8222;Tasso&#8220; eine ähnliche Operation vorzunehmen. Lieber würf&#8216; ich ihn ins Feuer, aber ich will bei meinem Entschluß beharren, und da es einmal nicht anders ist, so wollen wir ein wunderlich Werk daraus machen. Deshalb ist mir&#8217;s ganz angenehm, daß es mit dem Abdruck meiner Schriften so langsam geht. Und dann ist es doch wieder gut, sich in einiger Ferne vom Setzer bedroht zu sehen. Wunderlich genug, daß man zu der freisten Handlung doch einige Nötigung erwartet, ja fordert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Caserta, 16. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-16-caserta-0141" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man in Rom gern studieren mag, so will man hier nur leben; man vergißt sich und die Welt, und für mich ist es eine wunderliche Empfindung, nur mit genießenden Menschen umzugehen. Der Ritter Hamilton, der noch immer als englischer Gesandter hier lebt, hat nun nach so langer Kunstliebhaberei, nach so langem Naturstudium den Gipfel aller Natur- und Kunstfreude in einem schönen Mädchen gefunden. Er hat sie bei sich, eine Engländerin von etwa zwanzig Jahren. Sie ist sehr schön und wohl gebaut. Er hat ihr ein griechisch Gewand machen lassen, das sie trefflich kleidet, dazu löst sie ihre Haare auf, nimmt ein paar Schals und macht eine Abwechslung von Stellungen, Gebärden, Mienen etc., daß man zuletzt wirklich meint, man träume. Man schaut, was so viele tausend Künstler gerne geleistet hätten, hier ganz fertig in Bewegung und überraschender Abwechslung. Stehend, knieend, sitzend, liegend, ernst, traurig, neckisch, ausschweifend, bußfertig, lockend, drohend, ängstlich etc., eins folgt aufs andere und aus dem andern. Sie weiß zu jedem Ausdruck die Falten des Schleiers zu wählen, zu wechseln, und macht sich hundert Arten von Kopfputz mit denselben Tüchern. Der alte Ritter hält das Licht dazu und hat mit ganzer Seele sich diesem Gegenstand ergeben. Er findet in ihr alle Antiken, alle schönen Profile der sizilianischen Münzen, ja den Belvederschen Apoll selbst. So viel ist gewiß, der Spaß ist einzig! Wir haben ihn schon zwei Abende genossen. Heute früh malt sie Tischbein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom Personal des Hofs und den Verhältnissen, was ich erfahren und kombiniert, muß erst geprüft und geordnet werden. Heute ist der König auf die Wolfsjagd, man hofft, wenigstens fünfe zu erlegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heute</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2400" height="1600" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi.jpg" alt="Der Park des Königspalasts von Caserta heute. Foto Giuseppe Guida, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0." class="wp-image-9019" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi.jpg 2400w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-300x200.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-1024x683.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-768x512.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-1536x1024.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-2048x1365.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-415x277.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-650x433.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-250x167.jpg 250w" sizes="(max-width: 2400px) 100vw, 2400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Park des Königspalasts von Caserta heute. Foto Giuseppe Guida, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Königsschloss Caserta mit Park und Aquädukt Carolino; das »alte Schloss«, in dem Hackert wohnte, ist wahrscheinlich der Palazzo Acquaviva.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ort: Reggia di Caserta, Piazza Carlo di Borbone, 81100 Caserta</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werke und Dokumente</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1095" height="1400" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert.jpg" alt="Jacob Philipp Hackert, Hofmaler in Caserta, der zu Goethe sagte: Sie haben Talent, aber Sie können nichts. Sammlung SPUN." class="wp-image-8440" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert.jpg 1095w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert-235x300.jpg 235w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert-801x1024.jpg 801w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert-768x982.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert-415x531.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert-650x831.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert-250x320.jpg 250w" sizes="(max-width: 1095px) 100vw, 1095px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jacob Philipp Hackert, Hofmaler in Caserta, der zu Goethe sagte: Sie haben Talent, aber Sie können nichts. Sammlung SPUN.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1264" height="1957" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794.jpg" alt="Emma Lyons in der Haltung der Sophonisbe, nach einem der Stiche Friedrich Rehbergs, 1794: die Attitüden, die Goethe am Abend des 14. März sah. Tafel in Benedetto Croce, Volfango Goethe a Napoli, 1903; gemeinfrei." class="wp-image-9031" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794.jpg 1264w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-194x300.jpg 194w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-661x1024.jpg 661w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-768x1189.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-992x1536.jpg 992w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-415x643.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-650x1006.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-250x387.jpg 250w" sizes="(max-width: 1264px) 100vw, 1264px" /><figcaption class="wp-element-caption">Emma Lyons in der Haltung der Sophonisbe, nach einem der Stiche Friedrich Rehbergs, 1794: die Attitüden, die Goethe am Abend des 14. März sah. Tafel in Benedetto Croce, Volfango Goethe a Napoli, 1903; gemeinfrei.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">KI-Rekonstruktion</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1344" height="752" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai.jpg" alt="Der Abend des 14. März 1787 im alten Schloss: das Tuch und die Attitüden vor den Gästen bei Kerzenlicht. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026)." class="wp-image-9027" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai.jpg 1344w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai-768x430.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai-650x364.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 1344px) 100vw, 1344px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Abend des 14. März 1787 im alten Schloss: das Tuch und die Attitüden vor den Gästen bei Kerzenlicht. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Videos</h2>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Weiterlesen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://goethe.reise/?p=8533">Jakob Philipp Hackert</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.</p>


<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/caserta-reggia-hackert/">Das Schloss von Caserta, Hackert und Emma</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Toledo und der Molo</title>
		<link>https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-via-toledo-il-popolo/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=napoli-via-toledo-il-popolo</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[spun]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:40:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Knaben, die die letzte Wärme einer heißgemachten Radschiene aus dem Pflaster ziehen, die unzählbare Menge, in der Goethe sich ruhig und allein fühlt, das Blut des heiligen Januarius gegen die nahe Hölle, ein Pulcinell, der sich am Molo mit einem Affen zankt, und die Frittaruolen am Josephstag: das Volk von Neapel im März.</p>
<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-via-toledo-il-popolo/">Toledo und der Molo</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Knaben, die die letzte Wärme einer heißgemachten Radschiene aus dem Pflaster ziehen, die unzählbare Menge, in der Goethe sich ruhig und allein fühlt, das Blut des heiligen Januarius gegen die nahe Hölle, ein Pulcinell, der sich am Molo mit einem Affen zankt, und die Frittaruolen am Josephstag: das Volk von Neapel im März.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 12. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-12-neapel-0136" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Heute schlich ich beobachtend meiner Weise nach durch die Stadt und notierte mir viele Punkte zu dereinstiger Schilderung derselben, davon ich leider gegenwärtig nichts mitteilen kann. Alles deutet dahin, daß ein glückliches, die ersten Bedürfnisse reichlich anbietendes Land auch Menschen von glücklichem Naturell erzeugt, die ohne Kümmernis erwarten können, der morgende Tag werde bringen, was der heutige gebracht, und deshalb sorgenlos dahin leben. Augenblickliche Befriedigung, mäßiger Genuß, vorübergehender Leiden heiteres Dulden! – Von dem letzteren ein artiges Beispiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Morgen war kalt und feuchtlich, es hatte wenig geregnet. Ich gelangte auf einen Platz, wo die großen Quadern des Pflasters reinlich gekehrt erschienen. Zu meiner großen Verwunderung sah ich auf diesem völlig ebenen, gleichen Boden eine Anzahl zerlumpter Knaben im Kreise kauzend, die Hände gegen den Boden gewendet, als wenn sie sich wärmten. Erst hielt ich&#8217;s für eine Posse, als ich aber ihre Mienen völlig ernsthaft und beruhigt sah wie bei einem befriedigten Bedürfnis, so strengte ich meinen Scharfsinn möglichst an, er wollte mich aber nicht begünstigen. Ich mußte daher fragen, was denn diese Äffchen zu der sonderbaren Positur verleite und sie in diesen regelmäßigen Kreis versammle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hierauf erfuhr ich, daß ein anwohnender Schmied auf dieser Stelle eine Radschiene heiß gemacht, welches auf folgende Weise geschieht. Der eiserne Reif wird auf den Boden gelegt und auf ihn im Kreise so viel Eichenspäne gehäuft, als man nötig hält, ihn bis auf den erforderlichen Grad zu erweichen. Das entzündete Holz brennt ab, die Schiene wird ums Rad gelegt und die Asche sorgfältig weggekehrt. Die dem Pflaster mitgeteilte Wärme benutzen sogleich die kleinen Huronen und rühren sich nicht eher von der Stelle, als bis sie den letzten warmen Hauch ausgezogen haben. Beispiele solcher Genügsamkeit und aufmerksamen Benutzens dessen, was sonst verlorenginge, gibt es hier unzählige. Ich finde in diesem Volk die lebhafteste und geistreichste Industrie, nicht um reich zu werden, sondern um sorgenfrei zu leben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 17. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-16-caserta-0141" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Neapel, zum 17. März.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich Worte schreiben will, so stehen mir immer Bilder vor Augen des fruchtbaren Landes, des freien Meeres, der duftigen Inseln, des rauchenden Berges, und mir fehlen die Organe, das alles darzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hierzulande begreift man erst, wie es dem Menschen einfallen konnte, das Feld zu bauen, hier, wo der Acker alles bringt, und wo man drei bis fünf Ernten des Jahres hoffen kann. In den besten Jahren will man auf demselben Acker dreimal Mais gebaut haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe viel gesehen und noch mehr gedacht: die Welt eröffnet sich mehr und mehr, auch alles, was ich schon lange weiß, wird mir erst eigen. Welch ein früh wissendes und spät übendes Geschöpf ist doch der Mensch!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur schade, daß ich nicht in jedem Augenblick meine Beobachtungen mitteilen kann; zwar ist Tischbein mit mir, aber als Mensch und Künstler wird er von tausend Gedanken hin und her getrieben, von hundert Personen in Anspruch genommen. Seine Lage ist eigen und wunderbar, er kann nicht freien Teil an eines andern Existenz nehmen, weil er sein eignes Bestreben so eingeengt fühlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und doch ist die Welt nur ein einfach Rad, in dem ganzen Umkreise sich gleich und gleich, das uns aber so wunderlich vorkommt, weil wir selbst mit herumgetrieben werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich mir immer sagte, ist eingetroffen: daß ich so manche Phänomene der Natur und manche Verworrenheiten der Meinungen erst in diesem Lande verstehen und entwickeln lerne. Ich fasse von allen Seiten zusammen und bringe viel zurück, auch gewiß viel Vaterlandsliebe und Freude am Leben mit wenigen Freunden. über meine sizilianische Reise halten die Götter noch die Waage in Händen; das Zünglein schlägt herüber und hinüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer mag der Freund sein, den man mir so geheimnisvoll ankündigt? Daß ich ihn nur nicht über meiner Irr- und Inselfahrt versäume!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fregatte von Palermo ist wieder zurück, heut über acht Tage geht sie abermals von hier ab; ob ich noch mitsegele, zur Karwoche nach Rom zurückkehre, weiß ich nicht. Noch nie bin ich so unentschieden gewesen; ein Augenblick, eine Kleinigkeit mag entscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit den Menschen geht mir es schon besser, man muß sie nur mit dem Krämergewicht, keineswegs mit der Goldwaage wiegen, wie es leider sogar oft Freunde untereinander aus hypochondrischer Grille und seltsamer Anforderung zu tun pflegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier wissen die Menschen gar nichts voneinander, sie merken kaum, daß sie nebeneinander hin und her laufen; sie rennen den ganzen Tag in einem Paradiese hin und wider, ohne sich viel umzusehen, und wenn der benachbarte Höllenschlund zu toben anfängt, hilft man sich mit dem Blute des heiligen Januarius, wie sich die übrige Welt gegen Tod und Teufel auch wohl mit – Blute hilft oder helfen möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen einer so unzählbaren und rastlos bewegten Menge durchzugehen, ist gar merkwürdig und heilsam. Wie alles durcheinander strömt und doch jeder einzelne Weg und Ziel findet. In so großer Gesellschaft und Bewegung fühl&#8216; ich mich erst recht still und einsam; je mehr die Straßen toben, desto ruhiger werd&#8216; ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal gedenke ich Rousseaus und seines hypochondrischen Jammers, und doch wird mir begreiflich, wie eine so schöne Organisation verschoben werden konnte. Fühlt&#8216; ich nicht solchen Anteil an den natürlichen Dingen und säh&#8216; ich nicht, daß in der scheinbaren Verwirrung hundert Beobachtungen sich vergleichen und ordnen lassen, wie der Feldmesser mit einer durchgezogenen Linie viele einzelne Messungen probiert, ich hielte mich oft selbst für toll.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 19. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-19-neapel-0143" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Neapel, zum 19. März.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man darf nur auf der Straße wandeln und Augen haben, man sieht die unnachahmlichsten Bilder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Molo, einer Hauptlärmecke der Stadt, sah ich gestern einen Pulcinell, der sich auf einem Brettergerüste mit einem kleinen Affen stritt, drüber einen Balkon, auf dem ein recht artiges Mädchen ihre Reize feilbot. Neben dem Affengerüste ein Wunderdoktor, der seine Arkana gegen alle übel den bedrängten Gläubigen darbot; von Gerhard Dow gemalt, hätte solch ein Bild verdient, Zeitgenossen und Nachwelt zu ergötzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So war auch heute Fest des heiligen Josephs; er ist der Patron aller Frittaruolen, d. h. Gebacknesmacher, versteht sich Gebacknes im gröbsten Sinne. Weil nun immerfort starke Flammen unter schwarzem und siedendem Öl hervorschlagen, so gehört auch alle Feuerqual in ihr Fach; deswegen hatten sie gestern abend vor den Häusern mit Gemälden zum besten aufgeputzt: Seelen im Fegfeuer, Jüngste Gerichte glühten und flammten umher. Große Pfannen standen vor der Türe auf leicht gebauten Herden. Ein Gesell wirkte den Teig, ein anderer formte, zog ihn zu Kringlen und warf sie in die siedende Fettigkeit. An der Pfanne stand ein dritter, mit einem kleinen Bratspieße, er holte die Kringlen, wie sie gar wurden, heraus, schob sie einem vierten auf ein ander Spießchen, der sie den Umstehenden anbot; die beiden letzten waren junge Burschen mit blonden und lockenreichen Perücken, welches hier Engel bedeutet. Noch einige Figuren vollendeten die Gruppe, reichten Wein den Beschäftigten, tranken selbst und schrieen, die Ware zu loben; auch die Engel, die Köche, alle schrieen. Das Volk drängte sich herzu; denn alles Gebackene wird diesen Abend wohlfeiler gegeben und sogar ein Teil der Einnahme den Armen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dergleichen könnte man endlos erzählen; so geht es mit jedem Tage, immer etwas Neues und Tolleres, nur die Mannigfaltigkeit von Kleidern, die einem auf der Straße begegnet, die Menge Menschen in der einzigen Straße Toledo!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so gibt es noch manche originale Unterhaltung, wenn man mit dem Volke lebt; es ist so natürlich, daß man mit ihm natürlich werden könnte. Da ist z. B. der Pulcinell, die eigentliche Nationalmaske, der Harlekin, aus Bergamo, Hanswurst, aus Tirol gebürtig. Pulcinell nun, ein wahrhaft gelassener, ruhiger, bis auf einen gewissen Grad gleichgültiger, beinahe fauler und doch humoristischer Knecht. Und so findet man überall Kellner und Hausknecht. Mit dem unsrigen macht&#8216; ich mir heute eine besondere Lust, und es war weiter nichts, als daß ich ihn schickte, Papier und Federn zu holen. Halber Mißverstand, Zaudern, guter Wille und Schalkheit brachte die anmutigste Szene hervor, die man auf jedem Theater mit Glück produzieren könnte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heute</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1800" height="2400" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm2.jpg" alt="Die Via Toledo heute, im Fußgängerbereich. Foto Robot8A, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0." class="wp-image-9138" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm2.jpg 1800w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm2-225x300.jpg 225w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm2-768x1024.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm2-1152x1536.jpg 1152w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm2-1536x2048.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm2-415x553.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm2-650x867.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm2-250x333.jpg 250w" sizes="(max-width: 1800px) 100vw, 1800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Via Toledo heute, im Fußgängerbereich. Foto Robot8A, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Via Toledo, der Molo und die umliegenden Gassen; der Platz mit den Knaben auf dem warmen Pflaster wird nicht genannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ort: Via Toledo, 80134 Napoli</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werke und Dokumente</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1680" height="2309" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm0.jpg" alt="Saverio Della Gatta, der Limonadenverkäufer, Gouache, frühes 19. Jahrhundert: das neapolitanische Volk, das Goethe auf der Straße beobachtete. Gemeinfrei, Wikimedia Commons." class="wp-image-9136" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm0.jpg 1680w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm0-218x300.jpg 218w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm0-745x1024.jpg 745w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm0-768x1056.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm0-1118x1536.jpg 1118w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm0-1490x2048.jpg 1490w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm0-415x570.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm0-650x893.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm0-250x344.jpg 250w" sizes="(max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /><figcaption class="wp-element-caption">Saverio Della Gatta, der Limonadenverkäufer, Gouache, frühes 19. Jahrhundert: das neapolitanische Volk, das Goethe auf der Straße beobachtete. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1680" height="1251" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm1.jpg" alt="Pietro Fabris, neapolitanische Straßenszene mit einem jungen Herrn und einer Lotterielosverkäuferin, 18. Jahrhundert. Gemeinfrei, Wikimedia Commons." class="wp-image-9137" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm1.jpg 1680w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm1-300x223.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm1-1024x763.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm1-768x572.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm1-1536x1144.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm1-590x440.jpg 590w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm1-415x309.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm1-650x484.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-wm1-250x186.jpg 250w" sizes="(max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pietro Fabris, neapolitanische Straßenszene mit einem jungen Herrn und einer Lotterielosverkäuferin, 18. Jahrhundert. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">KI-Rekonstruktion</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1344" height="752" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-1787-ricostruzione-ai.jpg" alt="Die Bäcker von Sankt Joseph, 19. März 1787: die Zeppole, damals einfache frittierte Teigringe, und die unermessliche Menge, in der Goethe sich allein und ruhig fühlt. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026)." class="wp-image-9070" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-1787-ricostruzione-ai.jpg 1344w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-1787-ricostruzione-ai-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-1787-ricostruzione-ai-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-1787-ricostruzione-ai-768x430.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-1787-ricostruzione-ai-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-1787-ricostruzione-ai-650x364.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-via-toledo-il-popolo-1787-ricostruzione-ai-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 1344px) 100vw, 1344px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Bäcker von Sankt Joseph, 19. März 1787: die Zeppole, damals einfache frittierte Teigringe, und die unermessliche Menge, in der Goethe sich allein und ruhig fühlt. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Weiterlesen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://goethe.reise/?p=8529">Goethe kommt in Neapel an</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.</p>


<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-via-toledo-il-popolo/">Toledo und der Molo</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Palazzo Colubrano, der Pferdekopf</title>
		<link>https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-palazzo-carafa-colubrano/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=napoli-palazzo-carafa-colubrano</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[spun]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:40:39 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Im Hof des Palasts Colubrano über einem Brunnen der kolossale bronzene Pferdekopf: mächtige Stirn, schnaubende Nüstern, gespitzte Ohren.</p>
<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-palazzo-carafa-colubrano/">Palazzo Colubrano, der Pferdekopf</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Im Hof des Palasts Colubrano über einem Brunnen der kolossale bronzene Pferdekopf: mächtige Stirn, schnaubende Nüstern, gespitzte Ohren. Über dem Tor eine weibliche Statue, die schon Winckelmann für eine Tänzerin hielt und die einen besseren Platz verdiente.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 7. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-07-neapel-0132" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Und so hat mir diese Woche Tischbein redlich einen großen Teil der Kunstschätze von Neapel gezeigt und ausgelegt. Er, ein trefflicher Tierkenner und Zeichner, machte mich schon früher aufmerksam auf einen Pferdekopf von Erz im Palast Colombrano. Wir gingen heute dahin. Dieser Kunstrest steht gerade der Torfahrt gegenüber im Hofe in einer Nische über einem Brunnen und setzt in Erstaunen; was muß das Haupt erst mit den übrigen Gliedern, zu einem Ganzen verbunden, für Wirkung getan haben! Das Pferd im ganzen war viel größer als die auf der Markuskirche, auch läßt hier das Haupt, näher und einzeln beschaut, Charakter und Kraft nur desto deutlicher erkennen und bewundern. Der prächtige Stirnknochen, die schnaubende Nase, die aufmerkenden Ohren, die starre Mähne! Ein mächtig aufgeregtes, kräftiges Geschöpf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir kehrten uns um, eine weibliche Statue zu bemerken, die über dem Torwege in einer Nische stand. Sie wird für die Nachbildung einer Tänzerin schon von Winckelmann gehalten, wie denn solche Künstlerinnen in lebendiger Bewegung auf das mannigfaltigste dasjenige vorstellen, was die bildenden Meister uns als erstarrte Nymphen und Göttinnen aufbewahren. Sie ist sehr leicht und schön, der Kopf war abgebrochen, ist aber gut wieder aufgesetzt, übrigens nichts daran versehrt, und verdiente wohl einen bessern Platz.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heute</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1845" height="2400" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm2.jpg" alt="Der Hof des Palazzo Carafa in der Via San Biagio dei Librai heute, mit der Terrakottakopie der Protome anstelle des Originals. Foto Sailko, Wikimedia Commons, CC BY 3.0." class="wp-image-9122" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm2.jpg 1845w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm2-231x300.jpg 231w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm2-787x1024.jpg 787w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm2-768x999.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm2-1181x1536.jpg 1181w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm2-1574x2048.jpg 1574w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm2-415x540.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm2-650x846.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm2-250x325.jpg 250w" sizes="(max-width: 1845px) 100vw, 1845px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Hof des Palazzo Carafa in der Via San Biagio dei Librai heute, mit der Terrakottakopie der Protome anstelle des Originals. Foto Sailko, Wikimedia Commons, CC BY 3.0.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Palazzo Diomede Carafa in der Via San Biagio dei Librai (Spaccanapoli): Im Hof steht eine Terrakottakopie; das bronzene Original, die Protome Carafa, befindet sich im Archäologischen Nationalmuseum Neapel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ort: Via San Biagio dei Librai 121, 80138 Napoli</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werke und Dokumente</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1717" height="1682" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm0.jpg" alt="Die Protome Carafa, der kolossale bronzene Pferdekopf, Donatello zugeschrieben (1456), den Goethe im Palasthof sah; heute im Archäologischen Nationalmuseum Neapel. Foto Yair Haklai, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0." class="wp-image-9120" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm0.jpg 1717w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm0-300x294.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm0-1024x1003.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm0-768x752.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm0-1536x1505.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm0-415x407.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm0-650x637.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm0-250x245.jpg 250w" sizes="(max-width: 1717px) 100vw, 1717px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Protome Carafa, der kolossale bronzene Pferdekopf, Donatello zugeschrieben (1456), den Goethe im Palasthof sah; heute im Archäologischen Nationalmuseum Neapel. Foto Yair Haklai, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="530" height="923" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm1.jpg" alt="Der Hof des Palazzo Diomede Carafa mit dem Pferdekopf, Stich, 1685 von Antonio Bulifon veröffentlicht. Gemeinfrei, Wikimedia Commons." class="wp-image-9121" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm1.jpg 530w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm1-172x300.jpg 172w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm1-415x723.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-wm1-250x435.jpg 250w" sizes="(max-width: 530px) 100vw, 530px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Hof des Palazzo Diomede Carafa mit dem Pferdekopf, Stich, 1685 von Antonio Bulifon veröffentlicht. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">KI-Rekonstruktion</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1344" height="752" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-1787-ricostruzione-ai.jpg" alt="Der Hof des Palazzo Carafa di Colubrano am 7. März 1787, mit dem kolossalen bronzenen Pferdekopf über dem Brunnen und der Tänzerin über dem Eingang. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026)." class="wp-image-9062" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-1787-ricostruzione-ai.jpg 1344w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-1787-ricostruzione-ai-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-1787-ricostruzione-ai-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-1787-ricostruzione-ai-768x430.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-1787-ricostruzione-ai-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-1787-ricostruzione-ai-650x364.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-carafa-colubrano-1787-ricostruzione-ai-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 1344px) 100vw, 1344px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Hof des Palazzo Carafa di Colubrano am 7. März 1787, mit dem kolossalen bronzenen Pferdekopf über dem Brunnen und der Tänzerin über dem Eingang. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.</p>


<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-palazzo-carafa-colubrano/">Palazzo Colubrano, der Pferdekopf</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die zweite Besteigung des Vesuvs</title>
		<link>https://goethe.reise/de/grandtour/ercolano-vesuvio-seconda-salita/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=ercolano-vesuvio-seconda-salita</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[spun]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:40:36 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://goethe.reise/?post_type=museum&#038;p=8593</guid>

					<description><![CDATA[<p>Mit Tischbein, dem das Ungestalte des Vulkans zuwider ist: Zwei Führer ziehen sie an einem Lederriemen hinauf.</p>
<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/ercolano-vesuvio-seconda-salita/">Die zweite Besteigung des Vesuvs</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Mit Tischbein, dem das Ungestalte des Vulkans zuwider ist: Zwei Führer ziehen sie an einem Lederriemen hinauf. Goethe misst die Pausen zwischen den Auswürfen und läuft mit dem jüngeren Führer an den Kraterrand; der Donner überrascht sie, mit Asche bedeckt kommen sie herab.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 6. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-06-neapel-0131" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Obgleich ungern, doch aus treuer Geselligkeit, begleitete Tischbein mich heute auf den Vesuv. Ihm, dem bildenden Künstler, der sich nur immer mit den schönsten Menschen- und Tierformen beschäftigt, ja das Ungeformte selbst, Felsen und Landschaften, durch Sinn und Geschmack vermenschlicht, ihm wird eine solche furchtbare, ungestalte Aufhäufung, die sich immer wieder selbst verzehrt und allem Schönheitsgefühl den Krieg ankündigt, ganz abscheulich vorkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir fuhren auf zwei Kalessen, weil wir uns als Selbstführer durch das Gewühl der Stadt nicht durchzuwinden getrauten. Der Fahrende schreit unaufhörlich: &#8222;Platz, Platz!&#8220;, damit Esel, Holz oder Kehricht Tragende, entgegenrollende Kalessen, lastschleppende oder frei wandelnde Menschen, Kinder und Greise sich vorsehen, ausweichen, ungehindert aber der scharfe Trab fortgesetzt werde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Weg durch die äußersten Vorstädte und Gärten sollte schon auf etwas Plutonisches hindeuten. Denn da es lange nicht geregnet, waren von dickem, aschgrauem Staube die von Natur immergrünen Blätter überdeckt, alle Dächer, Gurtgesimse und was nur irgend eine Fläche bot, gleichfalls übergraut, so daß nur der herrliche blaue Himmel und die hereinscheinende mächtige Sonne ein Zeugnis gab, daß man unter den Lebendigen wandle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Fuße des steilen Hanges empfingen uns zwei Führer, ein älterer und ein jüngerer, beides tüchtige Leute. Der erste schleppte mich, der zweite Tischbein den Berg hinauf. Sie schleppten, sage ich; denn ein solcher Führer umgürtet sich mit einem ledernen Riemen, in welchen der Reisende greift und, hinaufwärts gezogen, sich an einem Stabe auf seinen eigenen Füßen desto leichter emporhilft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So erlangten wir die Fläche, über welcher sich der Kegelberg erhebt, gegen Norden die Trümmer der Somma.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Blick westwärts über die Gegend nahm wie ein heilsames Bad alle Schmerzen der Anstrengung und alle Müdigkeit hinweg, und wir umkreisten nunmehr den immer qualmenden, Stein und Asche auswerfenden Kegelberg. Solange der Raum gestattete, in gehöriger Entfernung zu bleiben, war es ein großes, geisterhebendes Schauspiel. Erst ein gewaltsamer Donner, der aus dem tiefsten Schlunde hervortönte, sodann Steine, größere und kleinere, zu Tausenden in die Luft geschleudert, von Aschenwolken eingehüllt. Der größte Teil fiel in den Schlund zurück. Die andern, nach der Seite zu getriebenen Brocken, auf die Außenseite des Kegels niederfallend, machten ein wunderbares Geräusch: erst plumpten die schwereren und hupften mit dumpfem Getön an die Kegelseite hinab, die geringeren klapperten hinterdrein, und zuletzt rieselte die Asche nieder. Dieses alles geschah in regelmäßigen Pausen, die wir durch ein ruhiges Zählen sehr wohl abmessen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen der Somma und dem Kegelberge ward aber der Raum enge genug, schon fielen mehrere Steine um uns her und machten den Umgang unerfreulich. Tischbein fühlte sich nunmehr auf dem Berge noch verdrießlicher, da dieses Ungetüm, nicht zufrieden, häßlich zu sein, auch noch gefährlich werden wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie aber durchaus eine gegenwärtige Gefahr etwas Reizendes hat und den Widerspruchsgeist im Menschen auffordert, ihr zu trotzen, so bedachte ich, daß es möglich sein müsse, in der Zwischenzeit von zwei Eruptionen den Kegelberg hinauf an den Schlund zu gelangen und auch in diesem Zeitraum den Rückweg zu gewinnen. Ich ratschlagte hierüber mit den Führern unter einem überhängenden Felsen der Somma, wo wir, in Sicherheit gelagert, uns an den mitgebrachten Vorräten erquickten. Der jüngere getraute sich, das Wagestück mit mir zu bestehen, unsere Hutköpfe fütterten wir mit leinenen und seidenen Tüchern, wir stellten uns bereit, die Stäbe in der Hand, ich seinen Gürtel fassend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch klapperten die kleinen Steine um uns herum, noch rieselte die Asche, als der rüstige Jüngling mich schon über das glühende Gerölle hinaufriß. Hier standen wir an dem ungeheuren Rachen, dessen Rauch eine leise Luft von uns ablenkte, aber zugleich das Innere des Schlundes verhüllte, der ringsum aus tausend Ritzen dampfte. Durch einen Zwischenraum des Qualmes erblickte man hie und da geborstene Felsenwände. Der Anblick war weder unterrichtend noch erfreulich, aber eben deswegen, weil man nichts sah, verweilte man, um etwas herauszusehen. Das ruhige Zählen war versäumt, wir standen auf einem scharfen Rande vor dem ungeheuern Abgrund. Auf einmal erscholl der Donner, die furchtbare Ladung flog an uns vorbei, wir duckten uns unwillkürlich, als wenn uns das vor den niederstürzenden Massen gerettet hätte; die kleineren Steine klapperten schon, und wir, ohne zu bedenken, daß wir abermals eine Pause vor uns hatten, froh, die Gefahr überstanden zu haben, kamen mit der noch rieselnden Asche am Fuße des Kegels an, Hüte und Schultern genugsam eingeäschert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Tischbein aufs freundlichste empfangen, gescholten und erquickt, konnte ich nun den älteren und neueren Laven eine besondere Aufmerksamkeit widmen. Der betagte Führer wußte genau die Jahrgänge zu bezeichnen. Ältere waren schon mit Asche bedeckt und ausgeglichen, neuere, besonders die langsam geflossenen, boten einen seltsamen Anblick; denn indem sie, fortschleichend, die auf ihrer Oberfläche erstarrten Massen eine Zeitlang mit sich hinschleppen, so muß es doch begegnen, daß diese von Zeit zu Zeit stocken, aber, von den Glutströmen noch fortbewegt, übereinander geschoben, wunderbar zackig erstarrt verharren, seltsamer als im ähnlichen Fall die übereinander getriebenen Eisschollen. Unter diesem geschmolzenen wüsten Wesen fanden sich auch große Blöcke, welche, angeschlagen, auf dem frischen Bruch einer Urgebirgsart völlig ähnlich sehen. Die Führer behaupteten, es seien alte Laven des tiefsten Grundes, welche der Berg manchmal auswerfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf unserer Rückkehr nach Neapel wurden mir kleine Häuser merkwürdig, einstöckig, sonderbar gebaut, ohne Fenster, die Zimmer nur durch die auf die Straße gehende Türe erleuchtet. Von früher Tageszeit bis in die Nacht sitzen die Bewohner davor, da sie sich denn zuletzt in ihre Höhlen zurückziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die auf eine etwas verschiedene Weise am Abend tumultuierende Stadt entlockte mir den Wunsch, einige Zeit hier verweilen zu können, um das bewegliche Bild nach Kräften zu entwerfen. Es wird mir nicht so wohl werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heute</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2400" height="998" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm2.jpg" alt="Der Krater des Großen Kegels des Vesuvs heute, vom Kraterrandweg aus. Foto Horcrux, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0." class="wp-image-9100" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm2.jpg 2400w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm2-300x125.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm2-1024x426.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm2-768x319.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm2-1536x639.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm2-2048x852.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm2-415x173.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm2-650x270.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm2-250x104.jpg 250w" sizes="(max-width: 2400px) 100vw, 2400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Krater des Großen Kegels des Vesuvs heute, vom Kraterrandweg aus. Foto Horcrux, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Große Kegel des Vesuvs; die Fläche am Fuß des Kegels unter den Trümmern des Somma ist das Atrio del Cavallo (wahrscheinlich).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ort: Gran Cono del Vesuvio, Parco Nazionale del Vesuvio, Ercolano (NA)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werke und Dokumente</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1260" height="679" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/04/fabbriscratere.jpg" alt="Pietro Fabris, der Krater des Vesuvs, aus William Hamiltons Campi Phlegraei, 1776. Sammlung SPUN." class="wp-image-8459" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/04/fabbriscratere.jpg 1260w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/04/fabbriscratere-300x162.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/04/fabbriscratere-1024x552.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/04/fabbriscratere-768x414.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/04/fabbriscratere-415x224.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/04/fabbriscratere-650x350.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/04/fabbriscratere-250x135.jpg 250w" sizes="(max-width: 1260px) 100vw, 1260px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pietro Fabris, der Krater des Vesuvs, aus William Hamiltons Campi Phlegraei, 1776. Sammlung SPUN.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2218" height="1413" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm0.jpg" alt="Pietro Fabris, der Kegel des Vesuvs im Ausbruch, Tafel X von William Hamiltons Campi Phlegraei, 1776. Gemeinfrei, Wikimedia Commons." class="wp-image-9099" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm0.jpg 2218w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm0-300x191.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm0-1024x652.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm0-768x489.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm0-1536x979.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm0-2048x1305.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm0-415x264.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm0-650x414.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-wm0-250x159.jpg 250w" sizes="(max-width: 2218px) 100vw, 2218px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pietro Fabris, der Kegel des Vesuvs im Ausbruch, Tafel X von William Hamiltons Campi Phlegraei, 1776. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">KI-Rekonstruktion</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1344" height="752" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-1787-ricostruzione-ai.jpg" alt="Der zweite Aufstieg auf den Vesuv, 6. März 1787: die Führer ziehen die Reisenden an einem Lederriemen hinauf, während der Krater Steine und Asche wirft. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026)." class="wp-image-9060" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-1787-ricostruzione-ai.jpg 1344w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-1787-ricostruzione-ai-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-1787-ricostruzione-ai-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-1787-ricostruzione-ai-768x430.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-1787-ricostruzione-ai-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-1787-ricostruzione-ai-650x364.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/ercolano-vesuvio-seconda-salita-1787-ricostruzione-ai-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 1344px) 100vw, 1344px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der zweite Aufstieg auf den Vesuv, 6. März 1787: die Führer ziehen die Reisenden an einem Lederriemen hinauf, während der Krater Steine und Asche wirft. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Weiterlesen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://goethe.reise/?p=8541">Die erste Besteigung des Vesuvs</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.</p>


<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/ercolano-vesuvio-seconda-salita/">Die zweite Besteigung des Vesuvs</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Phlegräischen Felder</title>
		<link>https://goethe.reise/de/grandtour/pozzuoli-campi-flegrei/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=pozzuoli-campi-flegrei</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[spun]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:40:23 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Statt des Vesuvs eine Wasserfahrt nach Pozzuoli mit dem Fürsten von Waldeck: »Unterm reinsten Himmel der unsicherste Boden.«</p>
<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/pozzuoli-campi-flegrei/">Die Phlegräischen Felder</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Statt des Vesuvs eine Wasserfahrt nach Pozzuoli mit dem Fürsten von Waldeck: »Unterm reinsten Himmel der unsicherste Boden.« Siedende Wasser, Schwefel aushauchende Grüfte, Schlackenberge und eine Vegetation, die alles zurückerobert, bis zum Eichwald an den Wänden eines alten Kraters.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 1. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-01-neapel-0126" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Schon in Rom hatte man meinem eigensinnigen Einsiedlersinne, mehr als mir lieb war, eine gesellige Seite abgewonnen. Freilich scheint es ein wunderlich Beginnen, daß man in die Welt geht, um allein bleiben zu wollen. So hatte ich denn auch dem Fürsten von Waldeck nicht widerstehen können, der mich aufs freundlichste einlud und durch Rang und Einfluß mir Teilnahme an manchem Guten verschaffte. Kaum waren wir in Neapel angekommen, wo er sich schon eine Zeitlang aufhielt, als er uns einladen ließ, mit ihm eine Fahrt nach Pozzuoli und der anliegenden Gegend zu machen. Ich dachte heute schon auf den Vesuv, Tischbein aber nötigt mich zu jener Fahrt, die, an und für sich angenehm, bei dem schönsten Wetter in Gesellschaft eines so vollkommenen und unterrichteten Fürsten sehr viel Freude und Nutzen verspricht. Auch haben wir schon in Rom eine schöne Dame gesehen, nebst ihrem Gemahl von dem Fürsten unzertrennlich; diese soll gleichfalls von der Partie sein, und man hofft alles Erfreuliche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch bin ich dieser edlen Gesellschaft durch frühere Unterhaltung genauer bekannt. Der Fürst nämlich fragte bei unserer ersten Bekanntschaft, womit ich mich jetzt beschäftige, und meine &#8222;Iphigenia&#8220; war mir so gegenwärtig, daß ich sie einen Abend umständlich genug erzählen konnte. Man ging drauf ein; aber ich glaubte doch zu merken, daß man etwas Lebhafteres, Wilderes von mir erwartet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abends.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von dem heutigen Tage wäre schwerlich Rechenschaft zu geben. Wer hat es nicht erfahren, daß die flüchtige Lesung eines Buchs, das ihn unwiderstehlich fortriß, auf sein ganzes Leben den größten Einfluß hatte und schon die Wirkung entschied, zu der Wiederlesen und ernstliches Betrachten kaum in der Folge mehr hinzutun konnte. So ging es mir einst mit &#8222;Sakontala&#8220;, und geht es uns mit bedeutenden Menschen nicht gleicherweise? Eine Wasserfahrt bis Pozzuoli, leichte Landfahrten, heitere Spaziergänge durch die wundersamste Gegend von der Welt. Unterm reinsten Himmel der unsicherste Boden. Trümmern undenkbarer Wohlhäbigkeit, zerlästert und unerfreulich. Siedende Wasser, Schwefel aushauchende Grüfte, dem Pflanzenleben widerstrebende Schlackenberge, kahle, widerliche Räume und dann doch zuletzt eine immer üppige Vegetation, eingreifend, wo sie nur irgend vermag, sich über alles Ertötete erhebend, um Landseen und Bäche umher, ja, den herrlichsten Eichwald an den Wänden eines alten Kraters behauptend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so wird man zwischen Natur- und Völkerereignissen hin und wider getrieben. Man wünscht zu denken und fühlt sich dazu zu ungeschickt. Indessen lebt der Lebendige lustig fort, woran wir es denn auch nicht fehlen ließen. Gebildete Personen, der Welt und ihrem Wesen angehörend, aber auch, durch ernstes Geschick gewarnt, zu Betrachtungen aufgelegt. Unbegrenzter Blick über Land, Meer und Himmel, zurückgerufen in die Nähe einer liebenswürdigen jungen Dame, Huldigung anzunehmen gewohnt und geneigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter allem diesem Taumel jedoch verfehlt&#8216; ich nicht, manches anzumerken. Zu künftiger Redaktion wird die an Ort und Stelle benutzte Karte und eine flüchtige Zeichnung von Tischbein die beste Hülfe geben; heute ist mir nicht möglich, auch nur das mindeste hinzuzufügen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heute</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="5606" height="3741" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/solfatara-pozzuoli-oggi.jpg" alt="Die Fumarolen der Solfatara bei Pozzuoli. Foto von Norbert Nagel, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0." class="wp-image-8870" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/solfatara-pozzuoli-oggi.jpg 5606w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/solfatara-pozzuoli-oggi-300x200.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/solfatara-pozzuoli-oggi-1024x683.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/solfatara-pozzuoli-oggi-768x513.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/solfatara-pozzuoli-oggi-1536x1025.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/solfatara-pozzuoli-oggi-2048x1367.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/solfatara-pozzuoli-oggi-415x277.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/solfatara-pozzuoli-oggi-650x434.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/solfatara-pozzuoli-oggi-250x167.jpg 250w" sizes="(max-width: 5606px) 100vw, 5606px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Fumarolen der Solfatara bei Pozzuoli. Foto von Norbert Nagel, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Erkennbare Orte: der Hafen von Pozzuoli, die Solfatara, der Averner und der Lukriner See, der Krater der Astroni (wahrscheinliche Zuordnungen).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ort: Solfatara, Via Solfatara 161, 80078 Pozzuoli (NA)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werke und Dokumente</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="3614" height="1937" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/campi-flegrei-lago-agnano-fabris-1776.jpg" alt="Der Agnano-See in den Phlegräischen Feldern, kolorierte Radierung von Pietro Fabris für William Hamiltons Campi Phlegraei, 1776. Wellcome Collection, CC BY 4.0." class="wp-image-8869" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/campi-flegrei-lago-agnano-fabris-1776.jpg 3614w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/campi-flegrei-lago-agnano-fabris-1776-300x161.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/campi-flegrei-lago-agnano-fabris-1776-1024x549.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/campi-flegrei-lago-agnano-fabris-1776-768x412.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/campi-flegrei-lago-agnano-fabris-1776-1536x823.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/campi-flegrei-lago-agnano-fabris-1776-2048x1098.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/campi-flegrei-lago-agnano-fabris-1776-415x222.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/campi-flegrei-lago-agnano-fabris-1776-650x348.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/campi-flegrei-lago-agnano-fabris-1776-250x134.jpg 250w" sizes="(max-width: 3614px) 100vw, 3614px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Agnano-See in den Phlegräischen Feldern, kolorierte Radierung von Pietro Fabris für William Hamiltons Campi Phlegraei, 1776. Wellcome Collection, CC BY 4.0.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">KI-Rekonstruktion</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1344" height="752" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pozzuoli-1787-campi-flegrei-ricostruzione-ai.jpg" alt="Die Phlegräischen Felder mit dem Fürsten von Waldeck, 1. März 1787, KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026)." class="wp-image-8875" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pozzuoli-1787-campi-flegrei-ricostruzione-ai.jpg 1344w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pozzuoli-1787-campi-flegrei-ricostruzione-ai-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pozzuoli-1787-campi-flegrei-ricostruzione-ai-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pozzuoli-1787-campi-flegrei-ricostruzione-ai-768x430.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pozzuoli-1787-campi-flegrei-ricostruzione-ai-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pozzuoli-1787-campi-flegrei-ricostruzione-ai-650x364.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pozzuoli-1787-campi-flegrei-ricostruzione-ai-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 1344px) 100vw, 1344px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Phlegräischen Felder mit dem Fürsten von Waldeck, 1. März 1787, KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.</p>


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			</item>
		<item>
		<title>Die Locanda Moriconi</title>
		<link>https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-locanda-moriconi/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=napoli-locanda-moriconi</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[spun]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:40:17 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://goethe.reise/?post_type=museum&#038;p=8577</guid>

					<description><![CDATA[<p>»Alla Locanda del Sgr. Moriconi al Largo del Castello«: Goethes erste neapolitanische Adresse.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">»Alla Locanda del Sgr. Moriconi al Largo del Castello«: Goethes erste neapolitanische Adresse. Ein Ecksaal mit pompejanischen Arabesken und ohne Kamin, ein Kohlenbecken und eine Schifferkutte, über die Tischbein lacht. Ende Mai richtet Goethe vom selben Platz aus Knieps Wohnung ein und trinkt mit ihm auf die Zukunft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 26. Februar 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-02-26-neapel-0123" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Alla Locanda del Sgr. Moriconi al Largo del Castello&#8220;. Unter dieser ebenso heiter als prächtig klingenden Aufschrift würden uns Briefe aus allen vier Teilen der Welt nunmehr auffinden. In der Gegend des am Meere liegenden großen Kastells erstreckt sich eine große Weitung, die man, obgleich von allen vier Seiten mit Häusern umgeben, nicht Platz, sondern Weite (largo) genannt hat, wahrscheinlicherweise von den ersten Zeiten her, da dieses noch ein unbegrenztes Feld war. Hier nun tritt an der einen Seite ein großes Eckhaus herein, und wir faßten Fuß in einem geräumigen Ecksaale, der einen freien und frohen Überblick über die immer bewegte Fläche gewährt. Ein eiserner Balkon zieht sich außen an mehrern Fenstern vorbei, selbst um die Ecke hin. Man würde davon nicht wegkommen, wenn der scharfe Wind nicht äußerst fühlbar wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Saal ist munter dekoriert, besonders aber die Decke, deren Arabesken in hundert Abteilungen schon die Nähe von Pompeji und Herculanum verkünden. Das wäre nun alles schön und gut, aber keine Feuerstätte, kein Kamin ist zu bemerken, und der Februar übt denn doch auch hier seine Rechte. Ich sehnte mich nach einiger Erwärmung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man brachte mir einen Dreifuß, von der Erde dergestalt erhöht, daß man die Hände bequem drüber halten konnte. Auf demselben war ein flaches Becken befestigt, dieses enthielt ganz zarte glühende Kohlen, gar glatt mit Asche bedeckt. Hier gilt es nun haushältig sein, wie wir es in Rom schon gelernt. Mit dem Ohr eines Schlüssels zieht man von Zeit zu Zeit die oberflächliche Asche behutsam weg, so daß von den Kohlen wieder etwas an die freie Luft gelange. Wollte man jedoch ungeduldig die Glut aufwühlen, so würde man einen Augenblick größere Wärme spüren, aber sehr bald die ganze Glut erschöpft haben, da denn das Becken abermals gegen Erlegung einer gewissen Summe zu füllen wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich befand mich nicht ganz wohl und hätte freilich mehr Bequemlichkeit gewünscht. Eine Schilfmatte diente gegen die Einflüsse des Estrichs; Pelze sind nicht gewöhnlich, und ich entschloß mich, eine Schifferkutte, die wir aus Scherz mitgenommen hatten, anzuziehen, die mir gute Dienste leistete, besonders nachdem ich sie mit einem Kofferstrick um den Leib befestigt hatte, da ich mir denn als Mittelding zwischen Matrosen und Kapuziner sehr komisch vorkommen mußte. Tischbein, der von Besuchen bei Freunden zurückkehrte, konnte sich des Lachens nicht enthalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 31. Mai 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-05-31-neapel-0216" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte das römische Fronleichnamfest und dabei besonders die nach Raffael gewirkten Teppiche so fest in den Sinn gefaßt, daß ich mich alle diese herrlichen Naturerscheinungen, ob sie schon in der Welt ihresgleichen nicht haben können, keineswegs irren ließ, sondern die Anstalten zur Reise hartnäckig fortsetzte. Ein Paß war bestellt, ein Vetturin hatte mir den Mietpfennig gegeben; denn es geschieht dort zur Sicherheit der Reisenden umgekehrt als bei, uns. Kniep war beschäftigt, sein neues Quartier zu beziehen, an Raum und Lage viel besser als das vorige.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon früher, als diese Veränderung im Werke war, hatte mir der Freund einigemal zu bedenken gegeben, es sei doch unangenehm und gewissermaßen unanständig, wenn man in ein Haus ziehe und gar nichts mitbringe; selbst ein Bettgestell flöße den Wirtsleuten schon einigen Respekt ein. Als wir nun heute durch den unendlichen Trödel der Kastellweitung hindurchgingen, sah ich so ein paar eiserne Gestelle, bronzeartig angestrichen, welche ich sogleich feilschte und meinem Freund als künftigen Grund zu einer ruhigen und soliden Schlafstätte verehrte. Einer der allezeit fertigen Träger brachte sie nebst den erforderlichen Brettern in das neue Quartier, welche Anstalt Kniepen so sehr freute, daß er sogleich von mir weg und hier einzuziehen gedachte, große Reißbretter, Papier und alles Nötige schnell anzuschaffen besorgt war. Einen Teil der Konturen, in beiden Sizilien gezogen, übergab ich ihm nach unserer Verabredung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 2. Juni 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-06-02-neapel-0218" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Anstatt nach Hause zu gehen, richtete ich meine Schritte nach dem Molo, um das große Schauspiel mit einem andern Vordergrund zu sehen; aber ich weiß nicht, ob die Ermüdung nach einem so reichen Tage oder ein Gefühl, daß man das letzte, schöne Bild nicht verwischen müsse, mich wieder nach Moriconi zurückzog, wo ich denn auch Kniepen fand, der aus seinem neu bezognen Quartier mir einen Abendbesuch abstattete. Bei einer Flasche Wein besprachen wir unsere künftigen Verhältnisse; ich konnte ihm zusagen, daß er, sobald ich etwas von seinen Arbeiten in Deutschland vorzeigen könne, gewiß dem trefflichen Herzog Ernst von Gotha empfohlen sein und von dort Bestellungen erhalten würde. Und so schieden wir mit herzlicher Freude, mit sicherer Aussicht künftiger wechselseitig wirkender Tätigkeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heute</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Largo del Castello ist die heutige Piazza Municipio vor dem Castel Nuovo. Der Häuserblock des Gasthofs wurde beim Risanamento abgerissen; die Stelle liegt heute am Eingang der Galleria Umberto I.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ort: Piazza Municipio, 80133 Napoli</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werke und Dokumente</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="571" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764.jpg" alt="Der Largo di Castello, heute Piazza Municipio, in einem Gemälde von Antonio Joli, 1764. Gemeinfrei, Wikimedia Commons." class="wp-image-8866" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764.jpg 960w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764-300x178.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764-768x457.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764-415x247.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764-650x387.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764-250x149.jpg 250w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Largo di Castello, heute Piazza Municipio, in einem Gemälde von Antonio Joli, 1764. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">KI-Rekonstruktion</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1344" height="752" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai.jpg" alt="Der Ecksaal in der Locanda Moriconi, 26. Februar 1787, KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026)." class="wp-image-8873" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai.jpg 1344w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai-768x430.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai-650x364.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 1344px) 100vw, 1344px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Ecksaal in der Locanda Moriconi, 26. Februar 1787, KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Videos</h2>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Goethe a Largo Castello" width="422" height="750" src="https://www.youtube.com/embed/F-vAEEDzo7A?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Weiterlesen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://goethe.reise/?p=8529">Goethe kommt in Neapel an</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.</p>


<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-locanda-moriconi/">Die Locanda Moriconi</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Pompeji, die mumisierte Stadt</title>
		<link>https://goethe.reise/de/grandtour/pompei-scavi/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=pompei-scavi</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[spun]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:14:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Mit Tischbein in Pompeji: gerade Straßen, fensterlose Häuser, öffentliche Gebäude wie Modelle, aber bemalte Wände mit einem Kunstsinn, der einem ganzen Volk gehört.</p>
<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/pompei-scavi/">Pompeji, die mumisierte Stadt</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Mit Tischbein in Pompeji: gerade Straßen, fensterlose Häuser, öffentliche Gebäude wie Modelle, aber bemalte Wände mit einem Kunstsinn, der einem ganzen Volk gehört. Goethe denkt über die wie eine Wolke gefallene Asche nach; zwei Tage später schreibt er: »Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das den Nachkommen so viel Freude gemacht hätte.«</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 11. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-11-neapel-0135" data-src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/de-1787-03-11-neapel-0135-de.mp3"><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Da mein Aufenthalt in Neapel nicht lange dauern wird, so nehme ich gleich die entfernteren Punkte zuerst, das Nähere gibt sich. Mit Tischbein fuhr ich nach Pompeji, da wir denn alle die herrlichen Ansichten links und rechts neben uns liegen sahen, welche, durch so manche landschaftliche Zeichnung uns wohlbekannt, nunmehr in ihrem zusammenhängenden Glanze erschienen. Pompeji setzt jedermann wegen seiner Enge und Kleinheit in Verwunderung. Schmale Straßen, obgleich grade und an der Seite mit Schrittplatten versehen, kleine Häuser ohne Fenster, aus den Höfen und offenen Galerien die Zimmer nur durch die Türen erleuchtet. Selbst öffentliche Werke, die Bank am Tor, der Tempel, sodann auch eine Villa in der Nähe, mehr Modell und Puppenschrank als Gebäude. Diese Zimmer, Gänge und Galerien aber aufs heiterste gemalt, die Wandflächen einförmig, in der Mitte ein ausführliches Gemälde, jetzt meist ausgebrochen, an Kanten und Enden leichte und geschmackvolle Arabesken, aus welchen sich auch wohl niedliche Kinder- und Nymphengestalten entwickeln, wenn an einer andern Stelle aus mächtigen Blumengewinden wilde und zahme Tiere hervordringen. Und so deutet der jetzige ganz wüste Zustand einer erst durch Steinund Aschenregen bedeckten, dann aber durch die Aufgrabenden geplünderten Stadt auf eine Kunstund Bilderlust eines ganzen Volkes, von der jetzo der eifrigste Liebhaber weder Begriff, noch Gefühl, noch Bedürfnis hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bedenkt man die Entfernung dieses Orts vom Vesuv, so kann die bedeckende vulkanische Masse weder durch ein Schleudern noch durch einen Windstoß hierher getrieben sein; man muß sich vielmehr vorstellen, daß diese Steine und Asche eine Zeitlang wolkenartig in der Luft geschwebt, bis sie endlich über diesem unglücklichen Orte niedergegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man sich nun dieses Ereignis noch mehr versinnlichen will, so denke man allenfalls ein eingeschneites Bergdorf. Die Räume zwischen den Gebäuden, ja die zerdrückten Gebäude selbst wurden ausgefüllt, allein Mauerwerk mochte hier und da noch herausstehen, als früher oder später der Hügel zu Weinbergen und Gärten benutzt wurde. So hat nun gewiß mancher Eigentümer, auf seinem Anteil niedergrabend, eine bedeutende Vorlese gehalten. Mehrere Zimmer fand man leer und in der Ecke des einen einen Haufen Asche, der mancherlei kleines Hausgeräte und Kunstarbeiten versteckte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 13. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-13-neapel-0137" data-src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/de-1787-03-13-neapel-0137-de.mp3"><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Sonntag waren wir in Pompeji. – Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das den Nachkommen so viel Freude gemacht hätte. Ich weiß nicht leicht etwas Interessanteres. Die Häuser sind klein und eng, aber alle inwendig aufs zierlichste gemalt. Das Stadttor merkwürdig, mit den Gräbern gleich daran. Das Grab einer Priesterin als Bank im Halbzirkel mit steinerner Lehne, daran die Inschrift mit großen Buchstaben eingegraben. Über die Lehne hinaus sieht man das Meer und die untergehende Sonne. Ein herrlicher Platz, des schönen Gedankens wert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heute</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2400" height="1627" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm2.jpg" alt="Das Herkulaner Tor heute, von der Gräberstraße aus gesehen. Foto Jebulon, Wikimedia Commons, CC0." class="wp-image-9141" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm2.jpg 2400w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm2-300x203.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm2-1024x694.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm2-768x521.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm2-1536x1041.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm2-2048x1388.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm2-415x281.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm2-650x441.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm2-250x169.jpg 250w" sizes="(max-width: 2400px) 100vw, 2400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Herkulaner Tor heute, von der Gräberstraße aus gesehen. Foto Jebulon, Wikimedia Commons, CC0.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Archäologischer Park Pompeji: das Herkulaner Tor, die Gräberstraße und das Grab der Mamia; der Isistempel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ort: Parco Archeologico di Pompei, Via Villa dei Misteri 2, 80045 Pompei (NA)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werke und Dokumente</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2400" height="1663" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm0.jpg" alt="Jacob Philipp Hackert, das Herkulaner Tor in Pompeji und der Beginn der Gräberstraße, 1794: der Eingang, den Goethe mit Tischbein nahm. Gemeinfrei, Wikimedia Commons." class="wp-image-9139" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm0.jpg 2400w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm0-300x208.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm0-1024x710.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm0-768x532.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm0-1536x1064.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm0-2048x1419.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm0-415x288.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm0-650x450.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm0-250x173.jpg 250w" sizes="(max-width: 2400px) 100vw, 2400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jacob Philipp Hackert, das Herkulaner Tor in Pompeji und der Beginn der Gräberstraße, 1794: der Eingang, den Goethe mit Tischbein nahm. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2400" height="1292" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm1.jpg" alt="Pietro Fabris, die Entdeckung des Isistempels in Pompeji, aus William Hamiltons Campi Phlegraei, 1776. Exemplar der Wellcome Collection. Wikimedia Commons, CC BY 4.0." class="wp-image-9140" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm1.jpg 2400w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm1-300x162.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm1-1024x551.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm1-768x413.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm1-1536x827.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm1-2048x1103.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm1-415x223.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm1-650x350.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-wm1-250x135.jpg 250w" sizes="(max-width: 2400px) 100vw, 2400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pietro Fabris, die Entdeckung des Isistempels in Pompeji, aus William Hamiltons Campi Phlegraei, 1776. Exemplar der Wellcome Collection. Wikimedia Commons, CC BY 4.0.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">KI-Rekonstruktion</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1344" height="752" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-1787-ricostruzione-ai.jpg" alt="Pompeji, wie Goethe und Tischbein es am 11. März 1787 sahen: gerade Straßen, fensterlose Häuser, die Grabungen noch offen zwischen Aschehaufen. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026)." class="wp-image-9066" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-1787-ricostruzione-ai.jpg 1344w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-1787-ricostruzione-ai-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-1787-ricostruzione-ai-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-1787-ricostruzione-ai-768x430.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-1787-ricostruzione-ai-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-1787-ricostruzione-ai-650x364.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/pompei-scavi-1787-ricostruzione-ai-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 1344px) 100vw, 1344px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pompeji, wie Goethe und Tischbein es am 11. März 1787 sahen: gerade Straßen, fensterlose Häuser, die Grabungen noch offen zwischen Aschehaufen. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.</p>


<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/pompei-scavi/">Pompeji, die mumisierte Stadt</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
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