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	<title>Benedetto Croce - Forscher zu Goethes Grand Tour - Unreal Goethe</title>
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	<description>Italienische Reise 4.0</description>
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	<title>Benedetto Croce - Forscher zu Goethes Grand Tour - Unreal Goethe</title>
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		<title>Der Königspalast, das Fenster zum Vesuv</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:41:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Am Abend des 2. Juni bei der Herzogin von Giovane, einer jungen, gebildeten deutschen Dame.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Am Abend des 2. Juni bei der Herzogin von Giovane, einer jungen, gebildeten deutschen Dame. Im Halbdunkel öffnet sie einen Laden: gegenüber der Vesuv, die leuchtende Lava, die von Blitzen zerrissene Wolke, der Vollmond hinter dem Berg und die Frau im Gegenlicht. Ein solcher Abschied von Neapel konnte nicht anders sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 2. Juni 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-06-02-neapel-0218" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Und so hätte ich auch diesen schönen Tag zwar mit vorzüglichen Personen vergnüglich und nützlich, aber doch ganz gegen meine Absichten und mit schwerem Herzen zugebracht. Sehnsuchtsvoll blickte ich nach dem Dampfe, der, den Berg herab langsam nach dem Meer ziehend, den Weg bezeichnete, welchen die Lava stündlich nahm. Auch der Abend sollte nicht frei sein. Ich hatte versprochen, die Herzogin von Giovane zu besuchen, die auf dem Schlosse wohnte, wo man mich denn viele Stufen hinauf durch manche Gänge wandern ließ, deren oberste verengt waren durch Kisten, Schränke und alles Mißfällige eines Hofgarderobewesens. Ich fand in einem großen und hohen Zimmer, das keine sonderliche Aussicht hatte, eine wohlgestaltete junge Dame von sehr zarter und sittlicher Unterhaltung. Als einer gebornen Deutschen war ihr nicht unbekannt, wie sich unsere Literatur zu einer freieren, weit umherblickenden Humanität gebildet; Herders Bemühungen und was ihnen ähnelte, schätzte sie vorzüglich, auch Garvens reiner Verstand hatte ihr aufs innigste zugesagt. Mit den deutschen Schriftstellerinnen suchte sie gleichen Schritt zu halten, und es ließ sich wohl bemerken, daß es ihr Wunsch sei, eine geübte und belobte Feder zu führen. Dahin bezogen sich ihre Gespräche und verrieten zugleich die Absicht, auf die Töchter des höchsten Standes zu wirken; ein solches Gespräch kennt keine Grenzen. Die Dämmerung war schon eingebrochen, und man hatte noch keine Kerzen gebracht. Wir gingen im Zimmer auf und ab, und sie, einer durch Läden verschlossenen Fensterseite sich nähernd, stieß einen Laden auf, und ich erblickte, was man in seinem Leben nur einmal sieht. Tat sie es absichtlich, mich zu überraschen, so erreichte sie ihren Zweck vollkommen. Wir standen an einem Fenster des oberen Geschosses, der Vesuv gerade vor uns; die herabfließende Lava, deren Flamme bei längst niedergegangener Sonne schon deutlich glühte und ihren begleitenden Rauch schon zu vergolden anfing; der Berg gewaltsam tobend, über ihm eine ungeheure feststehende Dampfwolke, ihre verschiedenen Massen bei jedem Auswurf blitzartig gesondert und körperhaft erleuchtet. Von da herab bis gegen das Meer ein Streif von Gluten und glühenden Dünsten; übrigens Meer und Erde, Fels und Wachstum deutlich in der Abenddämmerung, klar, friedlich, in einer zauberhaften Ruhe. Dies alles mit einem Blick zu übersehen und den hinter dem Bergrücken hervortretenden Vollmond als die Erfüllung des wunderbarsten Bildes zu schauen, mußte wohl Erstaunen erregen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies alles konnte von diesem Standpunkt das Auge mit einmal fassen, und wenn es auch die einzelnen Gegenstände zu mustern nicht imstande war, so verlor es doch niemals den Eindruck des großen Ganzen. War unser Gespräch durch dieses Schauspiel unterbrochen, so nahm es eine desto gemütlichere Wendung. Wir hatten nun einen Text vor uns, welchen Jahrtausende zu kommentieren nicht hinreichen. Je mehr die Nacht wuchs, desto mehr schien die Gegend an Klarheit zu gewinnen; der Mond leuchtete wie eine zweite Sonne; die Säulen des Rauchs, dessen Streifen und Massen durchleuchtet bis ins einzelne deutlich, ja, man glaubte mit halbweg bewaffnetem Auge die glühend ausgeworfenen Felsklumpen auf der Nacht des Kegelberges zu unterscheiden. Meine Wirtin, so will ich sie nennen, weil mir nicht leicht ein köstlichers Abendmahl zubereitet war, ließ die Kerzen an die Gegenseite des Zimmers stellen, und die schöne Frau, vom Monde beleuchtet, als Vordergrund dieses unglaublichen Bildes, schien mir immer schöner zu werden, ja ihre Lieblichkeit vermehrte sich besonders dadurch, daß ich in diesem südlichen Paradiese eine sehr angenehme deutsche Mundart vernahm. Ich vergaß, wie spät es war, so daß sie mich zuletzt aufmerksam machte, sie müsse mich, wiewohl ungerne, entlassen, die Stunde nahe schon, wo ihre Galerien klostermäßig verschlossen würden. Und so schied ich zaudernd von der Ferne und von der Nähe, mein Geschick segnend, das mich für die widerwillige Artigkeit des Tages noch schön am Abend belohnt hatte. Unter den freien Himmel gelangt, sagte ich mir vor, daß ich in der Nähe dieser größern Lava doch nur die Wiederholung jener kleinern würde gesehen haben, und daß mir ein solcher Überblick, ein solcher Abschied aus Neapel nicht anders als auf diese Weise hätte werden können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heute</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="2400" height="1556" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm2.jpg" alt="Die Fassade des Königspalasts an der Piazza del Plebiscito heute. Foto PaestumPaestum, Wikimedia Commons, CC BY 4.0." class="wp-image-9126" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm2.jpg 2400w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm2-300x195.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm2-1024x664.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm2-768x498.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm2-1536x996.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm2-2048x1328.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm2-415x269.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm2-650x421.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm2-250x162.jpg 250w" sizes="(max-width: 2400px) 100vw, 2400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Fassade des Königspalasts an der Piazza del Plebiscito heute. Foto PaestumPaestum, Wikimedia Commons, CC BY 4.0.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Königspalast von Neapel an der Piazza del Plebiscito; das Zimmer ist nicht bestimmbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ort: Palazzo Reale, Piazza del Plebiscito 1, 80132 Napoli</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werke und Dokumente</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1532" height="1962" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-croce-1903.jpg" alt="Die Herzogin von Giovane, nach einem deutschen Stich: die gebildete junge deutsche Dame, die am Abend des 2. Juni 1787 den Laden zum Vesuv öffnete. Tafel in Benedetto Croce, Volfango Goethe a Napoli, 1903; gemeinfrei." class="wp-image-9127" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-croce-1903.jpg 1532w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-croce-1903-234x300.jpg 234w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-croce-1903-800x1024.jpg 800w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-croce-1903-768x984.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-croce-1903-1199x1536.jpg 1199w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-croce-1903-415x531.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-croce-1903-650x832.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-croce-1903-250x320.jpg 250w" sizes="(max-width: 1532px) 100vw, 1532px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Herzogin von Giovane, nach einem deutschen Stich: die gebildete junge deutsche Dame, die am Abend des 2. Juni 1787 den Laden zum Vesuv öffnete. Tafel in Benedetto Croce, Volfango Goethe a Napoli, 1903; gemeinfrei.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="2400" height="1342" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm0.jpg" alt="Gaspar van Wittel, der Königspalast und der Largo di Palazzo, 1706 (Cincinnati Art Museum): der Palast vor seinen Umbauten im 18. Jahrhundert. Gemeinfrei, Wikimedia Commons." class="wp-image-9125" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm0.jpg 2400w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm0-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm0-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm0-768x429.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm0-1536x859.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm0-2048x1145.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm0-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm0-650x363.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-wm0-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 2400px) 100vw, 2400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gaspar van Wittel, der Königspalast und der Largo di Palazzo, 1706 (Cincinnati Art Museum): der Palast vor seinen Umbauten im 18. Jahrhundert. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">KI-Rekonstruktion</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1344" height="752" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-1787-ricostruzione-ai.jpg" alt="Der Abend des 2. Juni 1787 bei der Herzogin von Giovane: sie öffnet einen Laden, und es erscheinen der Vesuv mit seiner Lava, die von Blitzen zerrissene Wolke, der Vollmond. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026)." class="wp-image-9092" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-1787-ricostruzione-ai.jpg 1344w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-1787-ricostruzione-ai-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-1787-ricostruzione-ai-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-1787-ricostruzione-ai-768x430.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-1787-ricostruzione-ai-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-1787-ricostruzione-ai-650x364.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-reale-duchessa-giovane-1787-ricostruzione-ai-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 1344px) 100vw, 1344px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Abend des 2. Juni 1787 bei der Herzogin von Giovane: sie öffnet einen Laden, und es erscheinen der Vesuv mit seiner Lava, die von Blitzen zerrissene Wolke, der Vollmond. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.</p>


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			</item>
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		<title>Das Schloss von Caserta, Hackert und Emma</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:40:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zu Gast bei Hackert im alten Schloss neben dem »escurialartigen« neuen Palast.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Zu Gast bei Hackert im alten Schloss neben dem »escurialartigen« neuen Palast. Hackert macht jeden zu seinem Schüler und sagt zu Goethe: »Sie haben Anlage, aber Sie können nichts machen.« »Neapel ist ein Paradies«; und abends Hamilton und die junge Emma, die mit einem Schal und gelöstem Haar von einer antiken Stellung in die andere übergeht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Caserta, 14. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-14-caserta-0138" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Hackert in seiner höchst behaglichen Wohnung, die ihm in dem alten Schlosse gegönnt ist. Das neue, freilich ein ungeheurer Palast, escurialartig, ins Viereck gebaut, mit mehrern Höfen; königlich genug. Die Lage außerordentlich schön auf der fruchtbarsten Ebene von der Welt, und doch erstrecken sich die Gartenanlagen bis ans Gebirge. Da führt nun ein Aquädukt einen ganzen Strom heran, um Schloß und Gegend zu tränken, und die ganze Wassermasse kann, auf künstlich angelegte Felsen geworfen, zur herrlichsten Kaskade gebildet werden. Die Gartenanlagen sind schön und gehören recht in eine Gegend, welche ganz Garten ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Schloß, wahrhaft königlich, schien mir nicht genug belebt, und unsereinem können die ungeheuern leeren Räume nicht behaglich vorkommen. Der König mag ein ähnliches Gefühl haben, denn es ist im Gebirge für eine Anlage gesorgt, die, enger an den Menschen sich anschließend, zur Jagd- und Lebenslust geeignet ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Caserta, 15. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-15-caserta-0139" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Hackert wohnt im alten Schlosse gar behaglich, es ist räumlich genug für ihn und Gäste. Immerfort beschäftigt mit Zeichnen oder Malen, bleibt er doch gesellig und weiß die Menschen an sich zu ziehen, indem er einen jeden zu seinem Schüler macht. Auch mich hat er ganz gewonnen, indem er mit meiner Schwäche Geduld hat, vor allen Dingen auf Bestimmtheit der Zeichnung, sodann auf Sicherheit und Klarheit der Haltung dringt. Drei Tinten stehen, wenn er tuscht, immer bereit, und indem er von hinten hervorarbeitet und eine nach der andern braucht, so entsteht ein Bild, man weiß nicht, woher es kommt. Wenn es nur so leicht auszuführen wäre, als es aussieht. Er sagte zu mir mit seiner gewöhnlichen bestimmten Aufrichtigkeit: &#8222;Sie haben Anlage, aber Sie können nichts machen. Bleiben Sie achtzehn Monat bei mir, so sollen Sie etwas hervorbringen, was Ihnen und andern Freude macht.&#8220; – Ist das nicht ein Text, über den man allen Dilettanten eine ewige Predigt halten sollte? Was sie mir fruchtet, wollen wir erleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von dem besondern Vertrauen, womit ihn die Königin beehrt, zeugt nicht allein, daß er den Prinzessinnen praktischen Unterricht gibt, sondern vorzüglich, daß er über Kunst und was daran grenzt abends öfters zu belehrender Unterhaltung gerufen wird. Er legt dabei Sulzers Wörterbuch zum Grunde, woraus er nach Belieben und Überzeugung einen oder den andern Artikel wählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich mußte das billigen und dabei über mich selbst lächeln. Welch ein Unterschied ist nicht zwischen einem Menschen, der sich von innen aus auferbauen, und einem, der auf die Welt wirken und sie zum Hausgebrauch belehren will! Sulzers Theorie war mir wegen ihrer falschen Grundmaxime immer verhaßt, und nun sah ich, daß dieses Werk noch viel mehr enthielt, als die Leute brauchen. Die vielen Kenntnisse, die hier mitgeteilt werden, die Denkart, in welcher ein so wackrer Mann als Sulzer sich beruhigte, sollten die nicht für Weltleute hinreichend sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere vergnügte und bedeutende Stunden brachten wir bei dem Restaurator Andres zu, welcher, von Rom berufen, auch hier in dem alten Schlosse wohnt und seine Arbeiten, für die sich der König interessiert, emsig fortsetzt. Von seiner Gewandtheit, alte Bilder wiederherzustellen, darf ich zu erzählen nicht anfangen, weil man zugleich die schwere Aufgabe und die glückliche Lösung, womit sich diese eigene Handwerkskunst beschäftigt, entwickeln müßte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Caserta, 16. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-16-caserta-0140" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die lieben Briefe vom 19. Februar kommen heute mir zur Hand, und gleich soll ein Wort dagegen abgehen. Wie gerne mag ich, an die Freunde denkend, zur Besinnung kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neapel ist ein Paradies, jedermann lebt in einer Art von trunkner Selbstvergessenheit. Mir geht es ebenso, ich erkenne mich kaum, ich scheine mir ein ganz anderer Mensch. Gestern dacht&#8216; ich: &#8222;Entweder du warst sonst toll, oder du bist es jetzt.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In vierzehn Tagen muß sich&#8217;s entscheiden, ob ich nach Sizilien gehe. Noch nie bin ich so sonderbar in einem Entschluß hin und her gebogen worden. Heute kommt etwas, das mir die Reise anrät, morgen ein Umstand, der sie abrät. Es streiten sich zwei Geister um mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Vertrauen zu den Freundinnen allein, nicht daß es die Freunde vernehmen! Ich merke wohl, daß es meiner &#8222;Iphigenie&#8220; wunderlich gegangen ist, man war die erste Form so gewohnt, man kannte die Ausdrücke, die man sich bei öfterm Hören und Lesen zugeeignet hatte; nun klingt das alles anders, und ich sehe wohl, daß im Grunde mir niemand für die unendlichen Bemühungen dankt. So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig, man muß sie für fertig erklären, wenn man nach Zeit und Umständen das möglichste getan hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das soll mich nicht abschrecken, mit &#8222;Tasso&#8220; eine ähnliche Operation vorzunehmen. Lieber würf&#8216; ich ihn ins Feuer, aber ich will bei meinem Entschluß beharren, und da es einmal nicht anders ist, so wollen wir ein wunderlich Werk daraus machen. Deshalb ist mir&#8217;s ganz angenehm, daß es mit dem Abdruck meiner Schriften so langsam geht. Und dann ist es doch wieder gut, sich in einiger Ferne vom Setzer bedroht zu sehen. Wunderlich genug, daß man zu der freisten Handlung doch einige Nötigung erwartet, ja fordert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Caserta, 16. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-16-caserta-0141" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man in Rom gern studieren mag, so will man hier nur leben; man vergißt sich und die Welt, und für mich ist es eine wunderliche Empfindung, nur mit genießenden Menschen umzugehen. Der Ritter Hamilton, der noch immer als englischer Gesandter hier lebt, hat nun nach so langer Kunstliebhaberei, nach so langem Naturstudium den Gipfel aller Natur- und Kunstfreude in einem schönen Mädchen gefunden. Er hat sie bei sich, eine Engländerin von etwa zwanzig Jahren. Sie ist sehr schön und wohl gebaut. Er hat ihr ein griechisch Gewand machen lassen, das sie trefflich kleidet, dazu löst sie ihre Haare auf, nimmt ein paar Schals und macht eine Abwechslung von Stellungen, Gebärden, Mienen etc., daß man zuletzt wirklich meint, man träume. Man schaut, was so viele tausend Künstler gerne geleistet hätten, hier ganz fertig in Bewegung und überraschender Abwechslung. Stehend, knieend, sitzend, liegend, ernst, traurig, neckisch, ausschweifend, bußfertig, lockend, drohend, ängstlich etc., eins folgt aufs andere und aus dem andern. Sie weiß zu jedem Ausdruck die Falten des Schleiers zu wählen, zu wechseln, und macht sich hundert Arten von Kopfputz mit denselben Tüchern. Der alte Ritter hält das Licht dazu und hat mit ganzer Seele sich diesem Gegenstand ergeben. Er findet in ihr alle Antiken, alle schönen Profile der sizilianischen Münzen, ja den Belvederschen Apoll selbst. So viel ist gewiß, der Spaß ist einzig! Wir haben ihn schon zwei Abende genossen. Heute früh malt sie Tischbein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom Personal des Hofs und den Verhältnissen, was ich erfahren und kombiniert, muß erst geprüft und geordnet werden. Heute ist der König auf die Wolfsjagd, man hofft, wenigstens fünfe zu erlegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heute</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2400" height="1600" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi.jpg" alt="Der Park des Königspalasts von Caserta heute. Foto Giuseppe Guida, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0." class="wp-image-9019" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi.jpg 2400w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-300x200.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-1024x683.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-768x512.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-1536x1024.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-2048x1365.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-415x277.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-650x433.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-reggia-parco-oggi-250x167.jpg 250w" sizes="(max-width: 2400px) 100vw, 2400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Park des Königspalasts von Caserta heute. Foto Giuseppe Guida, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Königsschloss Caserta mit Park und Aquädukt Carolino; das »alte Schloss«, in dem Hackert wohnte, ist wahrscheinlich der Palazzo Acquaviva.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ort: Reggia di Caserta, Piazza Carlo di Borbone, 81100 Caserta</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werke und Dokumente</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1095" height="1400" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert.jpg" alt="Jacob Philipp Hackert, Hofmaler in Caserta, der zu Goethe sagte: Sie haben Talent, aber Sie können nichts. Sammlung SPUN." class="wp-image-8440" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert.jpg 1095w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert-235x300.jpg 235w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert-801x1024.jpg 801w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert-768x982.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert-415x531.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert-650x831.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/philipphackert-250x320.jpg 250w" sizes="(max-width: 1095px) 100vw, 1095px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jacob Philipp Hackert, Hofmaler in Caserta, der zu Goethe sagte: Sie haben Talent, aber Sie können nichts. Sammlung SPUN.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1264" height="1957" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794.jpg" alt="Emma Lyons in der Haltung der Sophonisbe, nach einem der Stiche Friedrich Rehbergs, 1794: die Attitüden, die Goethe am Abend des 14. März sah. Tafel in Benedetto Croce, Volfango Goethe a Napoli, 1903; gemeinfrei." class="wp-image-9031" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794.jpg 1264w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-194x300.jpg 194w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-661x1024.jpg 661w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-768x1189.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-992x1536.jpg 992w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-415x643.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-650x1006.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/emma-lyons-sofonisba-rehberg-1794-250x387.jpg 250w" sizes="(max-width: 1264px) 100vw, 1264px" /><figcaption class="wp-element-caption">Emma Lyons in der Haltung der Sophonisbe, nach einem der Stiche Friedrich Rehbergs, 1794: die Attitüden, die Goethe am Abend des 14. März sah. Tafel in Benedetto Croce, Volfango Goethe a Napoli, 1903; gemeinfrei.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">KI-Rekonstruktion</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1344" height="752" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai.jpg" alt="Der Abend des 14. März 1787 im alten Schloss: das Tuch und die Attitüden vor den Gästen bei Kerzenlicht. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026)." class="wp-image-9027" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai.jpg 1344w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai-768x430.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai-650x364.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/caserta-1787-attitudini-ricostruzione-ai-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 1344px) 100vw, 1344px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Abend des 14. März 1787 im alten Schloss: das Tuch und die Attitüden vor den Gästen bei Kerzenlicht. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Videos</h2>



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</div></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Weiterlesen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://goethe.reise/?p=8533">Jakob Philipp Hackert</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.</p>


<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/caserta-reggia-hackert/">Das Schloss von Caserta, Hackert und Emma</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Mittagsmahl bei der Prinzessin</title>
		<link>https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-palazzo-della-principessa/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=napoli-palazzo-della-principessa</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[spun]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:40:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In der Meinung, sie lebe so bescheiden wie die Filangieri, findet sich Goethe im prächtigen Palast des »Prinzeßchens«, mit Bedienten in kostbarer Livree auf der Treppe: Er scheint sich der Sultan in Wielands Feenmärchen.</p>
<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-palazzo-della-principessa/">Das Mittagsmahl bei der Prinzessin</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">In der Meinung, sie lebe so bescheiden wie die Filangieri, findet sich Goethe im prächtigen Palast des »Prinzeßchens«, mit Bedienten in kostbarer Livree auf der Treppe: Er scheint sich der Sultan in Wielands Feenmärchen. Bei Tisch neckt sie die Geistlichen mit den Fastenspeisen und lädt ihn nach Sorrent ein, um ihn von der Philosophie zu heilen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 12. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-12-neapel-0136" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Abends.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit ich ja zur bestimmten Zeit heute bei dem wunderlichen Prinzeßchen wäre und das Haus nicht verfehlte, berief ich einen Lohnbedienten. Er brachte mich vor das Hoftor eines großen Palastes, und da ich ihr keine so prächtige Wohnung zutraute, buchstabierte ich ihm noch einmal aufs deutlichste den Namen; er versicherte, daß ich recht sei. Nun fand ich einen geräumigen Hof, einsam und still, reinlich und leer, von Haupt- und Seitengebäuden umgeben. Bauart die bekannte heitere neapolitanische, so auch die Färbung. Gegen mir über ein großes Portal und eine breite, gelinde Treppe. An beiden Seiten derselben hinaufwärts in kostbarer Livree Bedienten gereiht, die sich, wie ich an ihnen vorbeistieg, aufs tiefste bückten. Ich schien mir der Sultan in Wielands Feenmärchen und faßte mir nach dessen Beispiel ein Herz. Nun empfingen mich die höheren Hausbedienten, bis endlich der anständigste die Türe eines großen Saals eröffnete, da sich denn ein Raum vor mir auftat, den ich ebenso heiter, aber auch so menschenleer fand als das übrige. Beim Auf- und Abgehen erblickte ich in einer Seitengalerie etwa für vierzig Personen prächtig, dem Ganzen gemäß eine Tafel bereitet. Ein Weltgeistlicher trat herein; ohne mich zu fragen, wer ich sei, noch woher ich komme, nahm er meine Gegenwart als bekannt an und sprach von den allgemeinsten Dingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Paar Flügeltüren taten sich auf, hinter einem ältlichen Herrn, der hereintrat, gleich wieder verschlossen. Der Geistliche ging auf ihn los, ich auch, wir begrüßten ihn mit wenigen höflichen Worten, die er mit bellenden, stotternden Tönen erwiderte, so daß ich mir keine Silbe des hottentottischen Dialekts enträtseln konnte. Als er sich ans Kamin gestellt, zog sich der Geistliche zurück und ich mit ihm. Ein stattlicher Benediktiner trat herein, begleitet von einem jüngeren Gefährten; auch er begrüßte den Wirt, auch er wurde angebellt, worauf er sich denn zu uns ans Fenster zurückzog. Die Ordensgeistlichen, besonders die eleganter gekleideten, haben in der Gesellschaft die größten Vorzüge; ihre Kleidung deutet auf Demut und Entsagung, indem sie ihnen zugleich entschiedene Würde verleiht. In ihrem Betragen können sie, ohne sich wegzuwerfen, unterwürfig erscheinen, und dann, wenn sie wieder strack auf ihren Hüften stehen, kleidet sie eine gewisse Selbstgefälligkeit sogar wohl, welche man allen übrigen Ständen nicht zugute gehen ließe. So war dieser Mann. Ich fragte nach Monte Cassino, er lud mich dahin und versprach mir die beste Aufnahme. Indessen hatte sich der Saal bevölkert: Offiziere, Hofleute, Weltgeistliche, ja sogar einige Kapuziner waren gegenwärtig. Vergebens suchte ich nach einer Dame, und daran sollte es denn auch nicht fehlen. Abermals ein Paar Flügeltüren taten sich auf und schlossen sich. Eine alte Dame war hereingetreten, wohl noch älter als der Herr, und nun gab mir die Gegenwart der Hausfrau die völlige Versicherung, daß ich in einem fremden Palast, unbekannt völlig den Bewohnern sei. Schon wurden die Speisen aufgetragen, und ich hielt mich in der Nähe der geistlichen Herren, um mit ihnen in das Paradies des Tafelzimmers zu schlüpfen, als auf einmal Filangieri mit seiner Gemahlin hereintrat, sich entschuldigend, daß er verspätet habe. Kurz darauf sprang Prinzeßchen auch in den Saal, fuhr unter Knicksen, Beugungen, Kopfnicken an allen vorbei auf mich los. &#8222;Es ist recht schön, daß Sie Wort halten!&#8220; rief sie, &#8222;setzen Sie sich bei Tafel zu mir, Sie sollen die besten Bissen haben. Warten Sie nur! Ich muß mir erst den rechten Platz aussuchen, dann setzen Sie sich gleich an mich.&#8220; So aufgefordert, folgte ich den verschiedenen Winkelzügen, die sie machte, und wir gelangten endlich zum Sitze, die Benediktiner gerade gegen uns über, Filangieri an meiner andern Seite. – &#8222;Das Essen ist durchaus gut&#8220;, sagte sie, &#8222;alles Fastenspeisen, aber ausgesucht, das Beste will ich Ihnen andeuten. Jetzt muß ich aber die Pfaffen scheren. Die Kerls kann ich nicht ausstehen; sie hucken unserm Hause tagtäglich etwas ab. Was wir haben, sollten wir selbst mit Freunden verzehren!&#8220; – Die Suppe war herumgegeben, der Benediktiner aß mit Anstand. – &#8222;Bitte, sich nicht zu genieren, Hochwürden&#8220;, rief sie aus, &#8222;ist etwa der Löffel zu klein? Ich will einen größern holen lassen, die Herren sind ein tüchtiges Maulvoll gewohnt.&#8220; Der Pater versetzte, es sei in ihrem fürstlichen Hause alles so vortrefflich eingerichtet, daß ganz andere Gäste als er eine vollkommenste Zufriedenheit empfinden würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von den Pastetchen nahm sich der Pater nur eins, sie rief ihm zu, er möchte doch ein halb Dutzend nehmen! Blätterteig, wisse er ja, verdaue sich leicht genug. Der verständige Mann nahm noch ein Pastetchen, für die gnädige Attention dankend, als habe er den lästerlichen Scherz nicht vernommen. Und so mußte ihr auch bei einem derbern Backwerk Gelegenheit werden, ihre Bosheit auszulassen; denn als der Pater ein Stück anstach und es auf seinen Teller zog, rollte ein zweites nach. – &#8222;Ein drittes&#8220;, rief sie, &#8222;Herr Pater, Sie scheinen einen guten Grund legen zu wollen!&#8220; – &#8222;Wenn so vortreffliche Materialien gegeben sind, hat der Baumeister leicht arbeiten!&#8220; versetzte der Pater. – Und so ging es immer fort, ohne daß sie eine andere Pause gemacht hätte, als mir gewissenhaft die besten Bissen zuzuteilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sprach indessen mit meinem Nachbar von den ernstesten Dingen. Überhaupt habe ich Filangieri nie ein gleichgültiges Wort reden hören. Er gleicht darin wie in manchem andern unserm Freunde Georg Schlosser, nur daß er als Neapolitaner und Weltmann eine weichere Natur und einen bequemem Umgang hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ganze Zeit war den geistlichen Herren von dem Mutwillen meiner Nachbarin keine Ruhe gegönnt, besonders gaben ihr die zur Fastenzeit in Fleischgestalt verwandelten Fische unerschöpflichen Anlaß, gott- und sittenlose Bemerkungen anzubringen, besonders aber auch die Fleischeslust hervorzuheben und zu billigen, daß man sich wenigstens an der Form ergötze, wenn auch das Wesen verboten sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mir noch mehr solcher Scherze gemerkt, die ich jedoch mitzuteilen nicht Mut habe. Dergleichen mag sich im Leben und aus einem schönen Munde noch ganz erträglich ausnehmen, schwarz auf weiß dagegen wollen sie mir selbst nicht mehr gefallen. Und dann hat freche Verwegenheit das Eigene, daß sie in der Gegenwart erfreut, weil sie in Erstaunen setzt, erzählt aber erscheint sie uns beleidigend und widerlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Dessert war aufgetragen, und ich fürchtete, nun gehe es immer so fort; unerwartet aber wandte sich meine Nachbarin ganz beruhigt zu mir und sagte: &#8222;Den Syrakuser sollen die Pfaffen in Ruhe verschlucken, es gelingt mir doch nicht, einen zu Tode zu ärgern, nicht einmal, daß ich ihnen den Appetit verderben könnte. Nun lassen Sie uns ein vernünftiges Wort reden! Denn was war das wieder für ein Gespräch mit Filangieri! Der gute Mann! er macht sich viel zu schaffen. Schon oft habe ich ihm gesagt: &#8222;Wenn ihr neue Gesetze macht, so müssen wir uns wieder neue Mühe geben, um auszusinnen, wie wir auch die zunächst übertreten können; bei den alten haben wir es schon weg.&#8220; Sehen Sie nur einmal, wie schön Neapel ist; die Menschen leben seit so vielen Jahren sorglos und vergnügt, und wenn von Zeit zu Zeit einmal einer gehängt wird, so geht alles übrige seinen herrlichen Gang.&#8220; Sie tat mir hierauf den Vorschlag, ich solle nach Sorrent gehen, wo sie ein großes Gut habe, ihr Haushofmeister werde mich mit den besten Fischen und dem köstlichsten Milchkalbfleisch (mungana) herausfüttern. Die Bergluft und die himmlische Aussicht sollten mich von aller Philosophie kurieren, dann wollte sie selbst kommen, und von den sämtlichen Runzeln, die ich ohnehin zu früh einreißen lasse, solle keine Spur übrigbleiben, wir wollten zusammen ein recht lustiges Leben führen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 25. Mai 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-05-25-neapel-0210" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Mein lockeres Prinzeßchen werde ich wohl nicht wiedersehen; sie ist wirklich nach Sorrent und hat mir die Ehre angetan, vor ihrer Abreise auf mich zu schelten, daß ich das steinichte und wüste Sizilien ihr habe vorziehen können. Einige Freunde gaben mir Auskunft über diese sonderbare Erscheinung. Aus einem guten, doch unvermögenden Hause geboren, im Kloster erzogen, entschloß sie sich, einen alten und reichen Fürsten zu heiraten, und man konnte sie um so eher dazu überreden, als die Natur sie zu einem zwar guten, aber zur Liebe völlig unfähigen Wesen gebildet hatte. In dieser reichen, aber durch Familienverhältnisse höchst beschränkten Lage suchte sie sich durch ihren Geist zu helfen und, da sie in Tun und Lassen gehindert war, wenigstens ihrem Mundwerk freies Spiel zu geben. Man versicherte mir, daß ihr eigentlichster Wandel ganz untadelig sei, daß sie sich aber fest vorgesetzt zu haben scheine, durch ein unbändiges Reden allen Verhältnissen ins Angesicht zu schlagen. Man bemerkte scherzend, daß keine Zensur ihre Diskurse, wären sie schriftlich verfaßt, könne durchgehen lassen, weil sie durchaus nichts vorbringe, als was Religion, Staat oder Sitten verletze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man erzählte die wunderlichsten und artigsten Geschichten von ihr, wovon eine hier stehen mag, ob sie gleich nicht die anständigste ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz vor dem Erdbeben, das Kalabrien betraf, war sie auf die dortigen Güter ihres Gemahls gezogen. Auch in der Nähe ihres Schlosses war eine Baracke gebaut, das heißt ein hölzernes einstöckiges Haus, unmittelbar auf den Boden aufgesetzt; übrigens tapeziert, möbliert und schicklich eingerichtet. Bei den ersten Anzeigen des Erdbebens flüchtete sie dahin. Sie saß auf dem Sofa, Knötchen knüpfend, vor sich ein Nähtischchen, gegen ihr über ein Abbé, ein alter Hausgeistlicher. Auf einmal wogte der Boden, das Gebäude sank an ihrer Seite nieder, indem die entgegengesetzte sich emporhob, der Abbé und das Tischchen wurde also auch in die Höhe gehoben. &#8222;Pfui!&#8220; rief sie, an der sinkenden Wand mit dem Kopfe gelehnt, &#8222;schickt sich das für einen so ehrwürdigen Mann? Ihr gebärdet Euch ja, als wenn Ihr auf mich fallen wolltet. Das ist ganz gegen alle Sitte und Wohlstand.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Indessen hatte das Haus sich wieder niedergesetzt, und sie wußte sich vor Lachen nicht zu lassen über die närrische, lüsterne Figur, die der gute Alte sollte gespielt haben, und sie schien über diesen Scherz von allen Kalamitäten, ja dem großen Verlust, der ihre Familie und so viel tausend Menschen betraf, nicht das mindeste zu empfinden. Ein wundersam glücklicher Charakter, dem noch eine Posse gelingt, indem ihn die Erde verschlingen will.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heute</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2400" height="1800" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm1.jpg" alt="Palazzo Ravaschieri di Satriano an der Riviera di Chiaia, von Ferdinando Sanfelice erweitert: Benedetto Croce (1903) erkennt darin den Palast der kleinen Prinzessin, Teresa Filangieri. Foto Xerse, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0." class="wp-image-9124" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm1.jpg 2400w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm1-300x225.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm1-1024x768.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm1-768x576.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm1-1536x1152.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm1-2048x1536.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm1-640x480.jpg 640w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm1-415x311.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm1-650x488.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm1-250x188.jpg 250w" sizes="(max-width: 2400px) 100vw, 2400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Palazzo Ravaschieri di Satriano an der Riviera di Chiaia, von Ferdinando Sanfelice erweitert: Benedetto Croce (1903) erkennt darin den Palast der kleinen Prinzessin, Teresa Filangieri. Foto Xerse, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Goethe nennt weder die Dame noch den Palast. Benedetto Croce (1903) identifiziert das »Prinzeßchen« mit Teresa Filangieri Fieschi Ravaschieri, Fürstin von Satriano, der Schwester Gaetanos, und ihren Palast mit dem Palazzo Satriano am Largo della Vittoria, Ecke Via Calabritto und Riviera di Chiaia, mit Fassade, Hof und Treppe von Ferdinando Sanfelice. Das Gut in »Sorrent«, von dem sie spricht, ist nach Croce das Schloss von Vico Equense, wo Gaetano Filangieri starb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ort: Palazzo Ravaschieri di Satriano, Riviera di Chiaia angolo via Calabritto, 80121 Napoli</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werke und Dokumente</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2400" height="1601" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm0.jpg" alt="L. Iely, ein Salon im Palazzo Satriano in Neapel, Aquarell, 1829 (Cooper Hewitt). Gemeinfrei, Wikimedia Commons." class="wp-image-9123" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm0.jpg 2400w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm0-300x200.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm0-1024x683.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm0-768x512.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm0-1536x1025.jpg 1536w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm0-2048x1366.jpg 2048w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm0-415x277.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm0-650x434.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-wm0-250x167.jpg 250w" sizes="(max-width: 2400px) 100vw, 2400px" /><figcaption class="wp-element-caption">L. Iely, ein Salon im Palazzo Satriano in Neapel, Aquarell, 1829 (Cooper Hewitt). Gemeinfrei, Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">KI-Rekonstruktion</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1344" height="752" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-1787-ricostruzione-ai.jpg" alt="Die Treppe im Palast der kleinen Prinzessin, 12. März 1787, mit den sich verneigenden Dienern in Livree: ich kam mir vor wie der Sultan in Wielands Märchen. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026)." class="wp-image-9074" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-1787-ricostruzione-ai.jpg 1344w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-1787-ricostruzione-ai-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-1787-ricostruzione-ai-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-1787-ricostruzione-ai-768x430.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-1787-ricostruzione-ai-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-1787-ricostruzione-ai-650x364.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-della-principessa-1787-ricostruzione-ai-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 1344px) 100vw, 1344px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Treppe im Palast der kleinen Prinzessin, 12. März 1787, mit den sich verneigenden Dienern in Livree: ich kam mir vor wie der Sultan in Wielands Märchen. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Weiterlesen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://goethe.reise/?p=8537">Glück – Die Begegnung mit Filangieri</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.</p>


<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-palazzo-della-principessa/">Das Mittagsmahl bei der Prinzessin</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gaetano Filangieri und Vico</title>
		<link>https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-filangieri/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=napoli-filangieri</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[spun]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:40:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das Bildnis des Ritters Filangieri, Verfasser der Wissenschaft der Gesetzgebung: Soldat, Ritter und Weltmann, gemildert durch ein zartes sittliches Gefühl.</p>
<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-filangieri/">Gaetano Filangieri und Vico</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Das Bildnis des Ritters Filangieri, Verfasser der Wissenschaft der Gesetzgebung: Soldat, Ritter und Weltmann, gemildert durch ein zartes sittliches Gefühl. Er macht Goethe mit Giambattista Vico bekannt, dem »Ältervater« der neapolitanischen Gesetzfreunde. Am 9. März im Hause Filangieri die kleine gesprächige Dame, die ihn zu Tisch lädt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 5. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-05-neapel-0130" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Von einem trefflichen Manne, den ich diese Tage kennen gelernt, muß ich kürzlich das Allgemeinste erwähnen. Es ist Ritter Filangieri, bekannt durch sein Werk über die Gesetzgebung. Er gehört zu den ehrwürdigen jungen Männern, welche das Glück der Menschen und eine löbliche Freiheit derselben im Auge behalten. An seinem Betragen kann man den Soldaten, den Ritter und Weltmann erkennen, gemildert ist jedoch dieser Anstand durch den Ausdruck eines zarten sittlichen Gefühls, welches, über die ganze Person verbreitet, aus Wort und Wesen gar anmutig hervorleuchtet. Auch er ist seinem Könige und dessen Königreich im Herzen verbündet, wenn er auch nicht alles billigt, was geschieht; aber auch er ist gedrückt durch die Furcht vor Joseph dem Zweiten. Das Bild eines Despoten, wenn es auch nur in der Luft schwebt, ist edlen Menschen schon fürchterlich. Er sprach mit mir ganz offen, was Neapel von jenem zu fürchten habe. Er unterhält sich gern über Montesquieu, Beccaria, auch über seine eigenen Schriften, alles in demselben Geiste des besten Wollens und einer herzlichen jugendlichen Lust, das Gute zu wirken. Er mag noch in den Dreißigen stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gar bald machte er mich mit einem alten Schriftsteller bekannt, an dessen unergründlicher Tiefe sich diese neuern italienischen Gesetzfreunde höchlich erquicken und erbauen, er heißt Johann Baptista Vico, sie ziehen ihn dem Montesquieu vor. Bei einem flüchtigen Überblick des Buches, das sie mir als ein Heiligtum mitteilten, wollte mir scheinen, hier seien sibyllinische Vorahnungen des Guten und Rechten, das einst kommen soll oder sollte, gegründet auf ernste Betrachtungen des Überlieferten und des Lebens. Es ist gar schön, wenn ein Volk solch einen Ältervater besitzt; den Deutschen wird einst Hamann ein ähnlicher Kodex werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 9. März 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-03-09-neapel-0134" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist das Angenehme auf Reisen, daß auch das Gewöhnliche durch Neuheit und Überraschung das Ansehen eines Abenteuers gewinnt. Als ich von Capo di Monte zurückkam, machte ich noch einen Abendbesuch bei Filangieri, wo ich auf dem Kanapee neben der Hausfrau ein Frauenzimmer sitzend fand, deren äußeres mir nicht zu dem vertraulichen Betragen zu passen schien, dem sie sich ganz ohne Zwang hingab. In einem leichten, gestreiften, seidenen Fähnchen, den Kopf wunderlich aufgeputzt, sah die kleine, niedliche Figur einer Putzmacherin ähnlich, die, für die Zierde anderer sorgend, ihrem eigenen Aussehen wenig Aufmerksamkeit schenkt. Sie sind so gewohnt, ihre Arbeit bezahlt zu sehen, daß sie nicht begreifen, wie sie für sich selbst etwas gratis tun sollen. Durch meinen Eintritt ließ sie sich in ihrem Plaudern nicht stören und brachte eine Menge possierliche Geschichten vor, welche ihr dieser Tage begegnet oder vielmehr durch ihre Strudeleien veranlaßt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Dame vom Hause wollte mir auch zum Wort verhelfen, sprach über die herrliche Lage von Capo di Monte und die Schätze daselbst. Das muntere Weibchen dagegen sprang in die Höhe und war, auf ihren Füßen stehend, noch artiger als zuvor. Sie empfahl sich, rannte nach der Türe und sagte mir im Vorbeigehen: &#8222;Filangieris kommen diese Tage zu mir zu Tische, ich hoffe, Sie auch zu sehen!&#8220; Fort war sie, ehe ich noch zusagen konnte. Nun vernahm ich, es sei die Prinzessin ***, mit dem Hause nah verwandt. Filangieris waren nicht reich und lebten in anständiger Einschränkung. So dacht&#8216; ich mir das Prinzeßchen auch, da ohnehin solche hohe Titel in Neapel nicht selten sind. Ich merkte mir den Namen, Tag und Stunde und zweifelte nicht, mich am rechten Orte zu gehöriger Zeit einzufinden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heute</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1600" height="2400" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-como-filangieri-oggi.jpg" alt="Palazzo Como in der Via Duomo, heute Museo Civico Gaetano Filangieri. Das Haus der Filangieri stand 1787 jedoch am Largo Arianiello, wie Benedetto Croce belegt. Foto Francesco Bini, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0." class="wp-image-9020" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-como-filangieri-oggi.jpg 1600w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-como-filangieri-oggi-200x300.jpg 200w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-como-filangieri-oggi-683x1024.jpg 683w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-como-filangieri-oggi-768x1152.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-como-filangieri-oggi-1024x1536.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-como-filangieri-oggi-1365x2048.jpg 1365w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-como-filangieri-oggi-415x623.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-como-filangieri-oggi-650x975.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-palazzo-como-filangieri-oggi-250x375.jpg 250w" sizes="(max-width: 1600px) 100vw, 1600px" /><figcaption class="wp-element-caption">Palazzo Como in der Via Duomo, heute Museo Civico Gaetano Filangieri. Das Haus der Filangieri stand 1787 jedoch am Largo Arianiello, wie Benedetto Croce belegt. Foto Francesco Bini, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Tagebuch sagt nicht, wo die Filangieri wohnten. Benedetto Croce (1903) verortet sie nach Auskunft der Familie im Stammpalast des ältesten Bruders Cesare Filangieri, Fürst von Arianiello, am Largo Arianiello. Das Museo Civico Gaetano Filangieri in der Via Duomo (Palazzo Como) trägt den Namen der Familie, ist aber nicht jenes Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ort: Museo Civico Gaetano Filangieri, Via Duomo 288, 80138 Napoli</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werke und Dokumente</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1027" height="588" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/Gaetano_Filangieri.jpg" alt="Gaetano Filangieri, Verfasser der Wissenschaft der Gesetzgebung: Soldat, Ritter und Weltmann, wie Goethe ihn beschreibt. Sammlung SPUN." class="wp-image-8402" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/Gaetano_Filangieri.jpg 1027w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/Gaetano_Filangieri-300x172.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/Gaetano_Filangieri-1024x586.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/Gaetano_Filangieri-768x440.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/Gaetano_Filangieri-415x238.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/Gaetano_Filangieri-650x372.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/Gaetano_Filangieri-250x143.jpg 250w" sizes="(max-width: 1027px) 100vw, 1027px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gaetano Filangieri, Verfasser der Wissenschaft der Gesetzgebung: Soldat, Ritter und Weltmann, wie Goethe ihn beschreibt. Sammlung SPUN.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="983" height="800" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/vico-scienza-nuova.jpg" alt="Die Neue Wissenschaft Giambattista Vicos, des Patriarchen der neapolitanischen Juristen, den Filangieri Goethe nahebrachte. Sammlung SPUN." class="wp-image-8394" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/vico-scienza-nuova.jpg 983w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/vico-scienza-nuova-300x244.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/vico-scienza-nuova-768x625.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/vico-scienza-nuova-415x338.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/vico-scienza-nuova-650x529.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/03/vico-scienza-nuova-250x203.jpg 250w" sizes="(max-width: 983px) 100vw, 983px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Neue Wissenschaft Giambattista Vicos, des Patriarchen der neapolitanischen Juristen, den Filangieri Goethe nahebrachte. Sammlung SPUN.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">KI-Rekonstruktion</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1344" height="752" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-studio-filangieri-ricostruzione-ai.jpg" alt="Das Arbeitszimmer eines neapolitanischen Juristen im März 1787, mit Fenster zum Innenhof: KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026)." class="wp-image-9029" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-studio-filangieri-ricostruzione-ai.jpg 1344w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-studio-filangieri-ricostruzione-ai-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-studio-filangieri-ricostruzione-ai-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-studio-filangieri-ricostruzione-ai-768x430.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-studio-filangieri-ricostruzione-ai-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-studio-filangieri-ricostruzione-ai-650x364.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-studio-filangieri-ricostruzione-ai-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 1344px) 100vw, 1344px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Arbeitszimmer eines neapolitanischen Juristen im März 1787, mit Fenster zum Innenhof: KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Videos</h2>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Weiterlesen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://goethe.reise/?p=8537">Glück – Die Begegnung mit Filangieri</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.</p>


<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-filangieri/">Gaetano Filangieri und Vico</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Locanda Moriconi</title>
		<link>https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-locanda-moriconi/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=napoli-locanda-moriconi</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[spun]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 10:40:17 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>»Alla Locanda del Sgr. Moriconi al Largo del Castello«: Goethes erste neapolitanische Adresse.</p>
<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-locanda-moriconi/">Die Locanda Moriconi</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">»Alla Locanda del Sgr. Moriconi al Largo del Castello«: Goethes erste neapolitanische Adresse. Ein Ecksaal mit pompejanischen Arabesken und ohne Kamin, ein Kohlenbecken und eine Schifferkutte, über die Tischbein lacht. Ende Mai richtet Goethe vom selben Platz aus Knieps Wohnung ein und trinkt mit ihm auf die Zukunft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 26. Februar 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-02-26-neapel-0123" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Alla Locanda del Sgr. Moriconi al Largo del Castello&#8220;. Unter dieser ebenso heiter als prächtig klingenden Aufschrift würden uns Briefe aus allen vier Teilen der Welt nunmehr auffinden. In der Gegend des am Meere liegenden großen Kastells erstreckt sich eine große Weitung, die man, obgleich von allen vier Seiten mit Häusern umgeben, nicht Platz, sondern Weite (largo) genannt hat, wahrscheinlicherweise von den ersten Zeiten her, da dieses noch ein unbegrenztes Feld war. Hier nun tritt an der einen Seite ein großes Eckhaus herein, und wir faßten Fuß in einem geräumigen Ecksaale, der einen freien und frohen Überblick über die immer bewegte Fläche gewährt. Ein eiserner Balkon zieht sich außen an mehrern Fenstern vorbei, selbst um die Ecke hin. Man würde davon nicht wegkommen, wenn der scharfe Wind nicht äußerst fühlbar wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Saal ist munter dekoriert, besonders aber die Decke, deren Arabesken in hundert Abteilungen schon die Nähe von Pompeji und Herculanum verkünden. Das wäre nun alles schön und gut, aber keine Feuerstätte, kein Kamin ist zu bemerken, und der Februar übt denn doch auch hier seine Rechte. Ich sehnte mich nach einiger Erwärmung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man brachte mir einen Dreifuß, von der Erde dergestalt erhöht, daß man die Hände bequem drüber halten konnte. Auf demselben war ein flaches Becken befestigt, dieses enthielt ganz zarte glühende Kohlen, gar glatt mit Asche bedeckt. Hier gilt es nun haushältig sein, wie wir es in Rom schon gelernt. Mit dem Ohr eines Schlüssels zieht man von Zeit zu Zeit die oberflächliche Asche behutsam weg, so daß von den Kohlen wieder etwas an die freie Luft gelange. Wollte man jedoch ungeduldig die Glut aufwühlen, so würde man einen Augenblick größere Wärme spüren, aber sehr bald die ganze Glut erschöpft haben, da denn das Becken abermals gegen Erlegung einer gewissen Summe zu füllen wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich befand mich nicht ganz wohl und hätte freilich mehr Bequemlichkeit gewünscht. Eine Schilfmatte diente gegen die Einflüsse des Estrichs; Pelze sind nicht gewöhnlich, und ich entschloß mich, eine Schifferkutte, die wir aus Scherz mitgenommen hatten, anzuziehen, die mir gute Dienste leistete, besonders nachdem ich sie mit einem Kofferstrick um den Leib befestigt hatte, da ich mir denn als Mittelding zwischen Matrosen und Kapuziner sehr komisch vorkommen mußte. Tischbein, der von Besuchen bei Freunden zurückkehrte, konnte sich des Lachens nicht enthalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 31. Mai 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-05-31-neapel-0216" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte das römische Fronleichnamfest und dabei besonders die nach Raffael gewirkten Teppiche so fest in den Sinn gefaßt, daß ich mich alle diese herrlichen Naturerscheinungen, ob sie schon in der Welt ihresgleichen nicht haben können, keineswegs irren ließ, sondern die Anstalten zur Reise hartnäckig fortsetzte. Ein Paß war bestellt, ein Vetturin hatte mir den Mietpfennig gegeben; denn es geschieht dort zur Sicherheit der Reisenden umgekehrt als bei, uns. Kniep war beschäftigt, sein neues Quartier zu beziehen, an Raum und Lage viel besser als das vorige.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon früher, als diese Veränderung im Werke war, hatte mir der Freund einigemal zu bedenken gegeben, es sei doch unangenehm und gewissermaßen unanständig, wenn man in ein Haus ziehe und gar nichts mitbringe; selbst ein Bettgestell flöße den Wirtsleuten schon einigen Respekt ein. Als wir nun heute durch den unendlichen Trödel der Kastellweitung hindurchgingen, sah ich so ein paar eiserne Gestelle, bronzeartig angestrichen, welche ich sogleich feilschte und meinem Freund als künftigen Grund zu einer ruhigen und soliden Schlafstätte verehrte. Einer der allezeit fertigen Träger brachte sie nebst den erforderlichen Brettern in das neue Quartier, welche Anstalt Kniepen so sehr freute, daß er sogleich von mir weg und hier einzuziehen gedachte, große Reißbretter, Papier und alles Nötige schnell anzuschaffen besorgt war. Einen Teil der Konturen, in beiden Sizilien gezogen, übergab ich ihm nach unserer Verabredung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neapel, 2. Juni 1787</h2>



<div class="ug-audio" data-lang="de" data-voce="de-1787-06-02-neapel-0218" data-src=""><button type="button" class="ug-audio__play" aria-label="Die Tagebuchseite anhören"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25b6.png" alt="▶" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Anhören</button><audio class="ug-audio__player" preload="none"></audio></div>



<p class="wp-block-paragraph">Anstatt nach Hause zu gehen, richtete ich meine Schritte nach dem Molo, um das große Schauspiel mit einem andern Vordergrund zu sehen; aber ich weiß nicht, ob die Ermüdung nach einem so reichen Tage oder ein Gefühl, daß man das letzte, schöne Bild nicht verwischen müsse, mich wieder nach Moriconi zurückzog, wo ich denn auch Kniepen fand, der aus seinem neu bezognen Quartier mir einen Abendbesuch abstattete. Bei einer Flasche Wein besprachen wir unsere künftigen Verhältnisse; ich konnte ihm zusagen, daß er, sobald ich etwas von seinen Arbeiten in Deutschland vorzeigen könne, gewiß dem trefflichen Herzog Ernst von Gotha empfohlen sein und von dort Bestellungen erhalten würde. Und so schieden wir mit herzlicher Freude, mit sicherer Aussicht künftiger wechselseitig wirkender Tätigkeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Heute</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Largo del Castello ist die heutige Piazza Municipio vor dem Castel Nuovo. Der Häuserblock des Gasthofs wurde beim Risanamento abgerissen; die Stelle liegt heute am Eingang der Galleria Umberto I.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ort: Piazza Municipio, 80133 Napoli</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werke und Dokumente</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="571" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764.jpg" alt="Der Largo di Castello, heute Piazza Municipio, in einem Gemälde von Antonio Joli, 1764. Gemeinfrei, Wikimedia Commons." class="wp-image-8866" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764.jpg 960w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764-300x178.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764-768x457.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764-415x247.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764-650x387.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-largo-di-castello-joli-1764-250x149.jpg 250w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Largo di Castello, heute Piazza Municipio, in einem Gemälde von Antonio Joli, 1764. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">KI-Rekonstruktion</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1344" height="752" src="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai.jpg" alt="Der Ecksaal in der Locanda Moriconi, 26. Februar 1787, KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026)." class="wp-image-8873" srcset="https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai.jpg 1344w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai-300x168.jpg 300w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai-1024x573.jpg 1024w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai-768x430.jpg 768w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai-415x232.jpg 415w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai-650x364.jpg 650w, https://goethe.reise/wp-content/uploads/2026/09/napoli-1787-locanda-moriconi-ricostruzione-ai-250x140.jpg 250w" sizes="(max-width: 1344px) 100vw, 1344px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Ecksaal in der Locanda Moriconi, 26. Februar 1787, KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Videos</h2>



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</div></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Weiterlesen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://goethe.reise/?p=8529">Goethe kommt in Neapel an</a></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.</p>


<p>L'articolo <a href="https://goethe.reise/de/grandtour/napoli-locanda-moriconi/">Die Locanda Moriconi</a> proviene da <a href="https://goethe.reise/de/home">Unreal Goethe</a>.</p>
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