Neapel · Palazzo Colubrano, der Pferdekopf

Im Hof des Palasts Colubrano über einem Brunnen der kolossale bronzene Pferdekopf: mächtige Stirn, schnaubende Nüstern, gespitzte Ohren. Über dem Tor eine weibliche Statue, die schon Winckelmann für eine Tänzerin hielt und die einen besseren Platz verdiente.

Neapel, 7. März 1787

Und so hat mir diese Woche Tischbein redlich einen großen Teil der Kunstschätze von Neapel gezeigt und ausgelegt. Er, ein trefflicher Tierkenner und Zeichner, machte mich schon früher aufmerksam auf einen Pferdekopf von Erz im Palast Colombrano. Wir gingen heute dahin. Dieser Kunstrest steht gerade der Torfahrt gegenüber im Hofe in einer Nische über einem Brunnen und setzt in Erstaunen; was muß das Haupt erst mit den übrigen Gliedern, zu einem Ganzen verbunden, für Wirkung getan haben! Das Pferd im ganzen war viel größer als die auf der Markuskirche, auch läßt hier das Haupt, näher und einzeln beschaut, Charakter und Kraft nur desto deutlicher erkennen und bewundern. Der prächtige Stirnknochen, die schnaubende Nase, die aufmerkenden Ohren, die starre Mähne! Ein mächtig aufgeregtes, kräftiges Geschöpf.

Wir kehrten uns um, eine weibliche Statue zu bemerken, die über dem Torwege in einer Nische stand. Sie wird für die Nachbildung einer Tänzerin schon von Winckelmann gehalten, wie denn solche Künstlerinnen in lebendiger Bewegung auf das mannigfaltigste dasjenige vorstellen, was die bildenden Meister uns als erstarrte Nymphen und Göttinnen aufbewahren. Sie ist sehr leicht und schön, der Kopf war abgebrochen, ist aber gut wieder aufgesetzt, übrigens nichts daran versehrt, und verdiente wohl einen bessern Platz.

Heute

Der Hof des Palazzo Carafa in der Via San Biagio dei Librai heute, mit der Terrakottakopie der Protome anstelle des Originals. Foto Sailko, Wikimedia Commons, CC BY 3.0.
Der Hof des Palazzo Carafa in der Via San Biagio dei Librai heute, mit der Terrakottakopie der Protome anstelle des Originals. Foto Sailko, Wikimedia Commons, CC BY 3.0.

Der Palazzo Diomede Carafa in der Via San Biagio dei Librai (Spaccanapoli): Im Hof steht eine Terrakottakopie; das bronzene Original, die Protome Carafa, befindet sich im Archäologischen Nationalmuseum Neapel.

Ort: Via San Biagio dei Librai 121, 80138 Napoli

Werke und Dokumente

Die Protome Carafa, der kolossale bronzene Pferdekopf, Donatello zugeschrieben (1456), den Goethe im Palasthof sah; heute im Archäologischen Nationalmuseum Neapel. Foto Yair Haklai, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
Die Protome Carafa, der kolossale bronzene Pferdekopf, Donatello zugeschrieben (1456), den Goethe im Palasthof sah; heute im Archäologischen Nationalmuseum Neapel. Foto Yair Haklai, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
Der Hof des Palazzo Diomede Carafa mit dem Pferdekopf, Stich, 1685 von Antonio Bulifon veröffentlicht. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.
Der Hof des Palazzo Diomede Carafa mit dem Pferdekopf, Stich, 1685 von Antonio Bulifon veröffentlicht. Gemeinfrei, Wikimedia Commons.

KI-Rekonstruktion

Der Hof des Palazzo Carafa di Colubrano am 7. März 1787, mit dem kolossalen bronzenen Pferdekopf über dem Brunnen und der Tänzerin über dem Eingang. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).
Der Hof des Palazzo Carafa di Colubrano am 7. März 1787, mit dem kolossalen bronzenen Pferdekopf über dem Brunnen und der Tänzerin über dem Eingang. KI-Rekonstruktion (SPUN, 2026).

Quellen

J.W. Goethe, Italienische Reise, Originaltext.

  • Ort
  • Establishment Date
    1787-03-07
  • Address
    Via San Biagio dei Librai 121, 80138 Napoli
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