Die Route
Auf der Karte
- Capri und Punta Campanella vom Meer aus
Drei Blicke vom Meer: die Segel der Fregatte nach Palermo, die zwischen Capri und Kap Minerva verschwinden; der Morgen der Abfahrt nach Sizilien, an dem Kniep die Küsten zeichnet; und auf der Rückfahrt am 14. Mai der schönste Sonnenuntergang der Reise und die Strömung, die das Schiff gegen die Felsen von Capri treibt, bis an den Rand des Schiffbruchs.
- Toledo und der Molo
Knaben, die die letzte Wärme einer heißgemachten Radschiene aus dem Pflaster ziehen, die unzählbare Menge, in der Goethe sich ruhig und allein fühlt, das Blut des heiligen Januarius gegen die nahe Hölle, ein Pulcinell, der sich am Molo mit einem Affen zankt, und die Frittaruolen am Josephstag: das Volk von Neapel im März.
Die Reise, Tag für Tag
Die Stationen
Von September 1786 bis Juni 1788 reiste Goethe durch Italien, vom Brenner nach Rom, Neapel und Sizilien. Unsere Grand Tour folgt seinen Aufzeichnungen Station für Station, mit den Werken der Maler, die mit ihm reisten, und den Orten, wie sie waren und wie sie heute sind. Den Anfang macht Kampanien: zweiunddreißig Stationen, vom Übergang über den Garigliano am 24. Februar 1787 bis zur letzten Zollschranke Neapels am 3. Juni.
Nach der Überfahrt über den Garigliano an der Via Appia betritt Goethe das Land, das heute Kampanien heißt: fruchtbare Felder, der erste vulkanische Aschenhügel, Berge mit verschneiten Gipfeln.
Mittagsrast in Capua, dann die breite Chaussee zwischen Weizen »wie ein Teppich«, Pappeln und Reben, die wie Netze schweben, der dampfende Vesuv immer zur Linken.
»Alla Locanda del Sgr. Moriconi al Largo del Castello«: Goethes erste neapolitanische Adresse.
Am Abend des 27. Februar geht Goethe in die Grotte des Posilipo, als die untergehende Sonne hindurchscheint.
Erster Besuch bei Jakob Philipp Hackert, dem Landschaftsmaler in der Gunst des Königspaars, der einen Flügel des Palasts Francavilla bewohnt: ein Mann, der bei unausgesetztem Fleiß das Leben zu genießen versteht.
Statt des Vesuvs eine Wasserfahrt nach Pozzuoli mit dem Fürsten von Waldeck: »Unterm reinsten Himmel der unsicherste Boden.«
Am 2. März bei trübem Wetter von Resina auf dem Maultier, dann zu Fuß über die Lava von 1771 bis zum ausgefüllten Krater.
Drei Blicke vom Meer: die Segel der Fregatte nach Palermo, die zwischen Capri und Kap Minerva verschwinden; der Morgen der Abfahrt nach Sizilien, an dem Kniep die Küsten zeichnet; und auf der Rückfahrt am 14. Mai der schönste Sonnenuntergang der Reise und die Strömung, die das Schiff gegen die Felsen von Capri treibt, bis an den Rand des Schiffbruchs.
Der zweite Fastensonntag, von Kirche zu Kirche: In Rom ist alles ernsthaft, hier alles lustig und wohlgemut.
Eine Vollmondnacht auf der Chiaja, »dem unermeßlichen Spaziergang«, dann am Meeresufer hin und wider: nicht zu beschreiben, übernimmt einen das Gefühl von Unendlichkeit des Raums.
Das Bildnis des Ritters Filangieri, Verfasser der Wissenschaft der Gesetzgebung: Soldat, Ritter und Weltmann, gemildert durch ein zartes sittliches Gefühl.
Mit Tischbein, dem das Ungestalte des Vulkans zuwider ist: Zwei Führer ziehen sie an einem Lederriemen hinauf.
Im Hof des Palasts Colubrano über einem Brunnen der kolossale bronzene Pferdekopf: mächtige Stirn, schnaubende Nüstern, gespitzte Ohren.
Mit dem Fürsten von Waldeck auf Capo di Monte bei der großen Sammlung von Gemälden, Münzen und Gemmen.
Mit Tischbein in Pompeji: gerade Straßen, fensterlose Häuser, öffentliche Gebäude wie Modelle, aber bemalte Wände mit einem Kunstsinn, der einem ganzen Volk gehört.
Den wunderlichen, halb unangenehmen Eindruck der mumisierten Stadt wäscht ein frugales Mahl unter der Laube eines kleinen Gasthofs am Meer ab.
Knaben, die die letzte Wärme einer heißgemachten Radschiene aus dem Pflaster ziehen, die unzählbare Menge, in der Goethe sich ruhig und allein fühlt, das Blut des heiligen Januarius gegen die nahe Hölle, ein Pulcinell, der sich am Molo mit einem Affen zankt, und die Frittaruolen am Josephstag: das Volk von Neapel im März.
Gegen Volkmanns Reiseführer und seine dreißig- bis vierzigtausend Müßiggänger geht Goethe auf die Jagd nach den Lazzaroni und findet nur Arbeitende: Lastträger, Fischer, Kinder, die Späne sammeln, Kehrichtsammler mit ihren Eseln.
In der Meinung, sie lebe so bescheiden wie die Filangieri, findet sich Goethe im prächtigen Palast des »Prinzeßchens«, mit Bedienten in kostbarer Livree auf der Treppe: Er scheint sich der Sultan in Wielands Feenmärchen.
Zu Gast bei Hackert im alten Schloss neben dem »escurialartigen« neuen Palast.
Die Stadt am Fuß des Vesuvs liegt sechzig Fuß tief verschüttet.
Im Museum zu Portici darf man weder zeichnen noch notieren, und vielleicht sieht man deshalb besser.
Ein von Neapel aus unsichtbarer Lavastrom fließt gegen Ottajano: die dritte Besteigung.
Hamilton hat sich eine schöne Existenz geschaffen: Zimmer in englischem Geschmack und eine Aussicht aus dem Eckzimmer, vielleicht einzig, und nach allen Reichen der Schöpfung ist er bei einem schönen Weibe angelangt.
Auf dem zweirädrigen leichten Fuhrwerk, wechselsweise die Zügel führend, fahren Goethe und Kniep durch die Schlucht zwischen Wald und Felsen.
Abends nimmt Kniep aus den Fenstern von Salerno einen Umriss, der jede Beschreibung erspart; Goethe denkt, wie schön es gewesen wäre, hier zur Zeit der blühenden Schule zu studieren.
Die Abrede mit Kniep: Sie leben und reisen zusammen, er zeichnet nur, alle Konture gehören Goethe.
Tischbein schlägt den jungen Landschafter Kniep als ständigen Gesellschafter vor.
Die in Amerika gebaute Korvette, die Kajüte, Rechnungen und Abschiede; der Marchese Berio, der den Verfasser des Werther kennenlernen will.
Nachts am Molo mit einem Blick: der Mond, die Wolken, der Widerschein im Meer, die Lampen des Leuchtturms, das Feuer des Vesuvs.
Am Abend des 2. Juni bei der Herzogin von Giovane, einer jungen, gebildeten deutschen Dame.
Goethe fährt ein letztes Mal durch das unendliche Leben der Stadt.





































